Schuberts Sterbewohnung: Das letzte Zimmer in der Kettenbrückengasse
Why is it significant?
Du stehst vor einem unscheinbaren Biedermeierhaus in einer Seitengasse nahe dem Naschmarkt, und nichts daran schreit nach Weltgeschichte. Samstags drängen sich ein paar Schritte weiter die Leute am Flohmarkt, zwischen Kisten mit Schallplatten, alten Gläsern und Lampen.
Key Facts
| Place | Schuberts Sterbewohnung: Das letzte Zimmer in der Kettenbrückengasse |
|---|---|
| Address | Kettenbrückengasse 6, 1040 Wien, Austria |
| Geo Coordinates | 48.19460, 16.36150 |
| Part of Walk | Wien klingt: Auf den Spuren von Mozart, Beethoven, Strauss und Schubert |
| Generated | Generated |
Du stehst vor einem unscheinbaren Biedermeierhaus in einer Seitengasse nahe dem Naschmarkt, und nichts daran schreit nach Weltgeschichte. Samstags drängen sich ein paar Schritte weiter die Leute am Flohmarkt, zwischen Kisten mit Schallplatten, alten Gläsern und Lampen. Und in einer Wohnung dieses Hauses ist einer der größten Komponisten Wiens gestorben, mit nur 31 Jahren.
Franz Schubert zog im September 1828 zu seinem Bruder Ferdinand in dieses damals ganz neue Haus. Er hoffte, hier am Rand der Stadt gesünder zu leben als in der engen Innenstadt. Doch er war schon länger krank, seit Jahren an Syphilis, und im November kam ein schweres Fieber dazu, das die Ärzte damals Nervenfieber nannten, wahrscheinlich ein Typhus. Am 19. November 1828 starb er hier.
Was er in seinem letzten Jahr geschaffen hat, ist kaum zu fassen: die drei letzten Klaviersonaten, das Streichquintett in C-Dur, Lieder, die nach seinem Tod als Schwanengesang erschienen. Auf dem Krankenbett korrigierte er noch die Druckfahnen der Winterreise. Und Anfang November nahm er Unterricht in Kontrapunkt, als hätte er noch alle Zeit der Welt. Vieles davon hat er selbst nie in einem Konzertsaal gehört.
Und hier schließt sich ein Kreis. Im März 1827 war Schubert einer der Fackelträger beim Begräbnis Beethovens gewesen, den er tief verehrte. Sein letzter Wunsch, so verstand es sein Bruder, war es, in Beethovens Nähe zu liegen. Man begrub ihn auf dem Währinger Friedhof, nur wenige Gräber von ihm entfernt. Heute ruhen beide am Zentralfriedhof, wieder Seite an Seite.
Denk an den Weg, den du gegangen bist: Mozarts Figaro-Wohnung, der Fußtritt in der Singerstraße, die Eroica im Festsaal eines Fürsten, Nicolais Orchester, Strauss in Gold, der Goldene Saal, Brahms in Marmor, Fidelio, die Zauberflöte... und am Ende ein schmales Zimmer, in dem ein Einunddreißigjähriger stirbt. Wien hat seine Musiker zu Lebzeiten selten verwöhnt. Aber vergessen hat es sie nie. Wenn du magst, hör dir heute Abend den langsamen Satz des Streichquintetts an. Einen schöneren Schluss für diesen Spaziergang gibt es nicht.