Kettenbrückengasse: Flohmarkt, Otto Wagner & Schubert
Why is it significant?
Am Ende des Naschmarkts, wo die Kettenbrückengasse den Markt kreuzt, öffnet sich eine Fläche, die unter der Woche fast leer wirkt.
Key Facts
| Place | Kettenbrückengasse: Flohmarkt, Otto Wagner & Schubert |
|---|---|
| Address | Kettenbrückengasse, 1050 Wien, Austria |
| Geo Coordinates | 48.19640, 16.35840 |
| Part of Walk | Wien mit vollem Mund: Vom Schwedenplatz zum Naschmarkt |
| Generated | Generated |
Am Ende des Naschmarkts, wo die Kettenbrückengasse den Markt kreuzt, öffnet sich eine Fläche, die unter der Woche fast leer wirkt. Am Samstag aber verwandelt sie sich in einen der größten Flohmärkte der Stadt, mit alten Schallplatten, Silberbesteck, Kaffeemühlen und Dingen, von denen niemand mehr weiß, wozu sie einmal gut waren.
Schau dir die Kaffeemühlen und Zuckerdosen auf den Tischen an. Viele stammen aus Wiener Haushalten, aus Küchen, in denen über Generationen Rindsuppe gekocht und Kipferl gebacken wurden. Auf diesem Flohmarkt kannst du die Wiener Küche gewissermaßen rückwärts lesen: Gugelhupfformen, Fleischklopfer, Krenreiben, Kaffeeservice mit Goldrand. Jedes Stück ein kleines Kapitel Alltagsgeschichte, und manches davon hat mehr Familienfeste erlebt als du und ich zusammen.
Dreh dich jetzt zur Linken Wienzeile und schau hinüber auf zwei Häuser, die aus der Reihe tanzen. Eines ist mit Blumenranken aus Keramikfliesen überzogen, das andere mit goldenen Medaillons geschmückt. Otto Wagner baute sie Ende der 1890er-Jahre, als Auftakt zu seiner nie verwirklichten Prachtstraße. Gleich daneben liegt die Station Kettenbrückengasse, auch sie aus Wagners Stadtbahnzeit, grün, weiß und streng elegant. Das Haus mit den Fliesen nennen die Wiener wegen seiner Keramik Majolikahaus, die goldenen Medaillons am Nachbarhaus entwarf Koloman Moser.
Ein paar Schritte die Gasse hinauf, im Haus Kettenbrückengasse 6, liegt eine stille Adresse. In der Wohnung seines Bruders Ferdinand starb im November 1828 Franz Schubert, mit gerade einmal einunddreißig Jahren. Er hatte kaum je Geld, und mit seinen Freunden saß er oft in einfachen Gasthäusern und Kaffeehäusern, bei Wein, Würsteln und Gesprächen bis tief in die Nacht, nicht so verschieden von denen, an denen du heute vorbeigekommen bist.
Und damit schließt sich der Kreis. Vom Eis am Schwedenplatz über Schnitzel, Gewürze, Mehl und Würstel, durch drei Kaffeehäuser und an einem Opernhaus vorbei bis zum Markt über dem Fluss. Die Wiener Küche ist kein Museum, sie ist ein Gespräch zwischen Kulturen, das seit Jahrhunderten mit vollem Mund geführt wird. Hol dir zum Abschluss etwas Gutes von einem der Stände, such dir einen Platz und lass es dir schmecken. Mahlzeit!