Café Sperl: Billard, Operette & Kulturerbe
Why is it significant?
Komm herein ins Café Sperl und bleib kurz an der Tür stehen. Hohe Fenster, Logen mit abgewetzten Samtbänken, Kristallluster, und hinten die Billardtische, auf denen die Kugeln mit einem trockenen Klacken aneinanderstoßen. Es riecht nach Kaffee, Zeitungspapier und ein bisschen nach altem Holz.
Key Facts
| Place | Café Sperl: Billard, Operette & Kulturerbe |
|---|---|
| Address | Gumpendorfer Straße 11, 1060 Wien, Austria |
| Geo Coordinates | 48.19980, 16.36120 |
| Part of Walk | Wien mit vollem Mund: Vom Schwedenplatz zum Naschmarkt |
| Generated | Generated |
Komm herein ins Café Sperl und bleib kurz an der Tür stehen. Hohe Fenster, Logen mit abgewetzten Samtbänken, Kristallluster, und hinten die Billardtische, auf denen die Kugeln mit einem trockenen Klacken aneinanderstoßen. Es riecht nach Kaffee, Zeitungspapier und ein bisschen nach altem Holz.
Das Sperl wurde 1880 eröffnet, und das Erstaunliche ist, wie wenig sich seither verändert hat. Die Einrichtung stammt zu großen Teilen noch aus der Gründerzeit, die Thonetstühle, die Marmortische, die Holzvertäfelung. Es war ein Treffpunkt für Offiziere, Künstler und Leute vom Theater an der Wien, das gleich ums Eck steht. Wer hier saß, sprach über Rollen, Premieren und Gagen, und die Operette lag sozusagen in der Luft. Schau dir die Logen an: In diesen halb abgeschirmten Nischen konnte man gesehen werden, ohne belauscht zu werden, ideal für Verhandlungen über Gagen und Herzensangelegenheiten.
Ein Detail für Filmfans: In Richard Linklaters Before Sunrise aus dem Jahr 1995 spielen Ethan Hawke und Julie Delpy in einem Wiener Café ein Telefonat, das gar keines ist, mit Hörern, die nur aus ihren Händen bestehen. Gedreht wurde diese Szene hier im Sperl. Die beiden flirten also in einem Raum, der schon über hundert Jahre erste Rendezvous und letzte Aussprachen gesehen hatte. Bis heute kommen Besucher genau wegen dieser kurzen Szene und setzen sich ans Fenster, in der Hoffnung, die richtige Loge erwischt zu haben.
Das Kaffeehaus ist in Wien mehr als ein Lokal. 2011 wurde die Wiener Kaffeehauskultur ins österreichische Verzeichnis des immateriellen Kulturerbes der UNESCO aufgenommen. Beschrieben wird sie dort als ein Ort, an dem Zeit und Raum konsumiert werden, aber nur der Kaffee auf der Rechnung steht. Genau das ist der Kern: Du bezahlst eine Tasse und bekommst dafür einen ganzen Nachmittag, samt Zeitung, Wasserglas und der Erlaubnis, nichts zu tun. Dazu gehört auch der Herr Ober, der Stammgäste gern mit Titel anspricht, Herr Doktor, Frau Magister, ganz egal, ob jemand je promoviert hat.
Wenn du so weit bist, geh nach links und durch die Lehárgasse hinunter zur Linken Wienzeile, die Gasse trägt übrigens den Namen eines Komponisten, der gleich nebenan Triumphe feierte. Unten steht das Theater an der Wien, Emanuel Schikaneders Haus von 1801, in dem Beethovens Fidelio, die Fledermaus und die Lustige Witwe ihre Premiere erlebten. Wirf einen Blick hinauf zu seiner Fassade, dann dreh dich um: Vor dir beginnt der Naschmarkt, eine lange Straße aus Ständen, Dächern und Gerüchen, und wir halten mitten im Gewühl.