Palazzo Zuccari: Das Monstermaul und die Bibliotheca Hertziana
Why is it significant?
Geh bis vor die Tür mit der Nummer 28 und erschrick ruhig ein bisschen, das ist erlaubt. Der ganze Eingang ist ein riesiges, aufgerissenes Maul: Augen über dem Türsturz, eine gerümpfte Nase, und der Türrahmen selbst ist der Schlund. Wer hier hineingeht, wird gewissermaßen verschluckt.
Key Facts
| Place | Palazzo Zuccari: Das Monstermaul und die Bibliotheca Hertziana |
|---|---|
| Address | Via Gregoriana 28, 00187 Roma RM, Italy |
| Geo Coordinates | 41.90550, 12.48420 |
| Part of Walk | Goethe in Rom: Auf den Spuren der Italienischen Reise und der deutschen Künstler |
| Generated | Generated |
Geh bis vor die Tür mit der Nummer 28 und erschrick ruhig ein bisschen, das ist erlaubt. Der ganze Eingang ist ein riesiges, aufgerissenes Maul: Augen über dem Türsturz, eine gerümpfte Nase, und der Türrahmen selbst ist der Schlund. Wer hier hineingeht, wird gewissermaßen verschluckt. Auch die Fenster daneben sind Fratzen. Willkommen am Palazzo Zuccari, dem wohl verrücktesten Hauseingang Roms.
Gebaut hat ihn um 1590 Federico Zuccari, ein erfolgreicher Maler der Spätrenaissance, als Wohnhaus und Atelier. Das Maul spielt mit der Fantasiewelt der Renaissancegärten, ein bisschen Grusel, ein bisschen Witz, und vielleicht auch ein wenig Werbung für den eigenen Einfallsreichtum. Zuccari war der erste Präsident der neuen römischen Malerakademie von San Luca, und er wünschte sich, dass sein Haus später jungen Künstlern offenstehe, die sich in Rom keine Unterkunft leisten konnten.
Und jetzt kommt die Verbindung zu Sant'Isidoro. Anfang des 19. Jahrhunderts wohnte hier der preußische Generalkonsul Jakob Salomon Bartholdy, ein Onkel des Komponisten Felix Mendelssohn Bartholdy. 1816 ließ er einen Raum von den Nazarenern ausmalen: Cornelius, Overbeck, Veit und Schadow erzählten in Fresken die Geschichte des ägyptischen Josef. Später wurden die Fresken von der Wand genommen und nach Berlin gebracht, wo du sie heute in der Alten Nationalgalerie sehen kannst.
Rund hundert Jahre danach kam eine Frau, die aus diesem Haus etwas ganz Besonderes machte. Henriette Hertz, Kunstsammlerin und Mäzenin aus Köln, kaufte den Palast 1904 und vermachte ihn bei ihrem Tod 1913 mitsamt ihrer Bibliothek der Kaiser-Wilhelm-Gesellschaft. So entstand die Bibliotheca Hertziana, heute das Max-Planck-Institut für Kunstgeschichte und eine der bedeutendsten Bibliotheken zur italienischen Kunst überhaupt.
Wenn du also eine Forscherin mit einem Stapel Bücher durch das Maul gehen siehst: Sie wird nicht gefressen, sie geht nur arbeiten. Geh jetzt hinauf auf den Platz vor der Kirche Trinità dei Monti. Der Obelisk dort hat eine Pointe für dich: Seine Hieroglyphen wurden vom Obelisken auf der Piazza del Popolo abgeschrieben, und aufgestellt wurde er erst 1789, als Goethe längst wieder in Weimar war. Folge dann der Allee links am Hang entlang nach Norden.