Sant'Isidoro: Das Kloster der Nazarener
Why is it significant?
Steig die Stufen hinauf zu der kleinen Kirche, die etwas erhöht über der Straße liegt, fast versteckt zwischen Wohnhäusern. Das ist Sant'Isidoro, seit fast vierhundert Jahren ein Kolleg irischer Franziskaner.
Key Facts
| Place | Sant'Isidoro: Das Kloster der Nazarener |
|---|---|
| Address | Via degli Artisti 41, 00187 Roma RM, Italy |
| Geo Coordinates | 41.90600, 12.48710 |
| Part of Walk | Goethe in Rom: Auf den Spuren der Italienischen Reise und der deutschen Künstler |
| Generated | Generated |
Steig die Stufen hinauf zu der kleinen Kirche, die etwas erhöht über der Straße liegt, fast versteckt zwischen Wohnhäusern. Das ist Sant'Isidoro, seit fast vierhundert Jahren ein Kolleg irischer Franziskaner. Und hier, in einem leeren Kloster, wohnte vor über zweihundert Jahren eine Gruppe junger Deutscher, die die Kunstgeschichte ihres Landes verändern sollte.
1810 kamen sie aus Wien: Friedrich Overbeck aus Lübeck, Franz Pforr aus Frankfurt und ein paar Freunde. In Wien hatten sie gegen den steifen Unterricht der Akademie rebelliert und einen Bund gegründet, den Lukasbund, benannt nach dem Schutzpatron der Maler. Sie wollten malen wie Dürer und die italienischen Meister vor der Hochrenaissance, schlicht, fromm und ehrlich, und Rom war ihr gelobtes Land. Weil unter Napoleon die Klöster aufgehoben worden waren, stand Sant'Isidoro leer, und die jungen Maler zogen ein.
Sie lebten wie Mönche, jeder in einer Zelle, malten tagsüber und zeichneten abends gemeinsam bei Kerzenlicht. Und sie trugen die Haare lang und in der Mitte gescheitelt, so wie man sich Jesus von Nazareth vorstellte. Die Römer fanden das so komisch, dass sie ihnen einen Spitznamen gaben: i Nazareni, die Nazarener. Aus dem Spott wurde der Name einer ganzen Kunstrichtung.
Doch das Kloster brachte nicht nur Glück. Franz Pforr, der zartere der beiden Freunde, erkrankte an Tuberkulose und starb 1812 mit nur 24 Jahren in Albano. Overbeck blieb, trat zum katholischen Glauben über und lebte bis zu seinem Tod 1869 in Rom, fast sechzig Jahre lang. Andere kamen hinzu, Peter Cornelius, Philipp Veit, Wilhelm Schadow, und für eine Weile war Rom die heimliche Hauptstadt der deutschen Malerei.
Ihr erstes großes Gemeinschaftswerk entstand übrigens nur ein paar hundert Meter von hier, in einem Palast, den du gleich sehen wirst. Geh hinunter zur Via Sistina und folge ihr nach Westen, Richtung Spanische Treppe. Kurz vor dem Platz an ihrem Ende biegst du scharf links in die Via Gregoriana, und nach wenigen Schritten wartet ein Haus mit einem Maul... einem richtigen, weit aufgerissenen Maul.