Złota-Straße und die Ghettogrenzen
Why is it significant?
Sieh nach unten auf den Bürgersteig an der Ecke Złota und Żelazna: In das Gehwegpflaster ist ein breites Bronzeband eingelassen mit der zweisprachigen Inschrift: Mur Getta / Ghetto Wall 1940–1943.
Key Facts
| Place | Złota-Straße und die Ghettogrenzen |
|---|---|
| Address | ul. Złota 62, 00-821 Warszawa, Poland |
| Geo Coordinates | 52.23250, 21.00350 |
| Part of Walk | Das jüdische Warschau: Vom Muranów-Viertel zum Ghetto-Aufstand |
| Generated | Generated |
Sieh nach unten auf den Bürgersteig an der Ecke Złota und Żelazna: In das Gehwegpflaster ist ein breites Bronzeband eingelassen mit der zweisprachigen Inschrift: Mur Getta / Ghetto Wall 1940–1943. Daneben steht eine zweisprachige gläserne Gedenktafel mit historischen Stadtplänen, Fotografien und Auszügen aus damaligen Tagebüchern. Hier verlief die Trennlinie zwischen Leben und Tod, bewacht von bewaffneten Posten und zementiert durch die rücksichtslose Willkür der Besatzungsmacht. Hier berührst du die physische Begrenzung einer gigantischen Freiluft-Todeszelle.
Im gesamten Stadtzentrum von Warschau findest du heute zweiundzwanzig solcher Gedenkstelen und Bodenmarkierungen. Sie zeichnen die fast sechzehn Kilometer lange Begrenzung nach, die die deutschen Behörden ab dem Frühjahr 1940 durch Mauern, Zäune und zugemauerte Fensterriegel errichten ließen. Sie erinnern an Straßen, die plötzlich endeten, und an Nachbarschaften, die von einem Tag auf den anderen durch Stacheldraht zerrissen wurden.
Die Mauer schnitt willkürlich durch Straßenkreuzungen, Plätze und Hinterhöfe und war drei Meter hoch, gekrönt mit Glasscherben und Stacheldraht. Wer versuchte, sie ohne Genehmigung zu überqueren, wurde von der deutschen Polizei oder Wachmannschaften ohne Warnung erschossen. Auf einer Fläche von kaum vier Quadratkilometern pferchten die Besatzer über vierhundertfünfzigtausend Menschen zusammen... eine Menschendichte, die unweigerlich zu Seuchen, Kälte und massenhaftem Hungertod führte.
Die Złota-Straße war ein wichtiger Schnittpunkt für das Kleine Ghetto und seine Gewerbebetriebe. Die Mauer trennte Nachbarn, Familien und langjährige Geschäftspartner mit bürokratischer Unerbittlichkeit von einem Tag auf den anderen. Blicke von dieser Markierung nach oben: Direkt vor dir ragen die glänzenden Wolkenkratzer des Finanzdistrikts auf und der Varso Tower, mit 310 Metern das höchste Gebäude der gesamten Europäischen Union. Nirgendwo in Europa prallen das historische Trauma des zwanzigsten Jahrhunderts und die gläserne Dynamik der Gegenwart so scharf und ergreifend aufeinander wie an dieser Straßenkreuzung.
Gehe durch die Passage in die benachbarte Sienna-Straße 55, um den letzten erhaltenen Abschnitt der echten Backsteinmauer im Innenhof zu berühren.