Nożyk-Synagoge am Grzybowski-Platz
Why is it significant?
Tritt in den begrünten Innenhof an der Twarda-Straße und blicke auf die neuromanische Fassade mit ihren eleganten Rundbogenfenstern und den zwei Steintafeln der Zehn Gebote auf dem Giebel.
Key Facts
| Place | Nożyk-Synagoge am Grzybowski-Platz |
|---|---|
| Address | ul. Twarda 6, 00-104 Warszawa, Poland |
| Geo Coordinates | 52.23610, 21.00110 |
| Part of Walk | Das jüdische Warschau: Vom Muranów-Viertel zum Ghetto-Aufstand |
| Generated | Generated |
Tritt in den begrünten Innenhof an der Twarda-Straße und blicke auf die neuromanische Fassade mit ihren eleganten Rundbogenfenstern und den zwei Steintafeln der Zehn Gebote auf dem Giebel. Dies ist die Nożyk-Synagoge, das einzige historische jüdische Gotteshaus der gesamten Stadt, das die deutsche Besatzung überdauert hat. Im Inneren empfängt dich der Glanz goldener hebräischer Inschriften und ein von Säulen getragener Aron Kodesh.
Gestiftet wurde das Gotteshaus von dem jüdischen Kurzwarenhändler Zalman Nożyk und seiner Ehefrau Rywka, die ihr gesamtes privates Vermögen für diesen Bau stifteten. Eingeweiht im Jahr 1902, bot die Synagoge Platz für sechshundert Gläubige und war im ganzen Land für ihren herausragenden Knabenchor berühmt. Hier beteten vor dem Krieg wohlhabende Kaufleute und assimlierte Intellektuelle gemeinsam mit einfachen Handwerkern der Nachbarschaft. Vor den hohen Festtagen drängten sich Gläubige bis hinaus auf das Straßenpflaster, um den bewegenden Klängen der Kantoren zu lauschen.
Vor 1939 gab es in Warschau über vierhundert Synagogen, Gebetshäuser und chassidische Shtiebelekh. Warum ausgerechnet dieses eine Gebäude die totale Vernichtung überstand? Nachdem die deutschen Besatzer das Kleine Ghetto 1942 geräumt hatten, entweihten sie die Gebetshalle, rissen Bänke und Thorarollen heraus und nutzten den Raum als Pferdestall und Wehrmachtsfuttermagazin. Ausgerechnet dieser zynische Zweck rettete das Mauerwerk vor den Sprengkommandos der SS.
Nach der Befreiung 1945 fanden sich in dieser leeren, geschändeten Hülle die wenigen Überlebenden der Schoa zusammen, um gemeinsam das Kaddisch-Gebet für ihre ermordeten Familien zu sprechen. In den späten 1970er Jahren wurde das Gebäude mit Unterstützung internationaler Stiftungen aufwendig restauriert und 1983 feierlich wiedereröffnet. Heute beherbergt das Areal auch eine koschere Küche, Gemeinderäume und den Sitz des Oberrabbiners von Polen. An jedem Freitagabend erfüllen wieder festliche hebräische Gesänge den Gebetssaal, und Kerzen erleuchten die Rundbogenfenster zur Straße hinaus.
Verlasse den Hof und gehe wenige Schritte nach Osten zum Grzybowski-Platz, wo die kurze, kopfsteingepflasterte Próżna-Straße abzweigt.