Próżna-Straße und die Fassaden der Vergangenheit

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Tritt auf das Kopfsteinpflaster der Próżna-Straße und schau an den mehrstöckigen Mietshausfassaden empor: Hier scheint die Zeit für einen Moment stehen geblieben zu sein.

Key Facts

PlacePróżna-Straße und die Fassaden der Vergangenheit
Addressul. Próżna 12, 00-107 Warszawa, Poland
Geo Coordinates52.23650, 21.00540
Part of WalkDas jüdische Warschau: Vom Muranów-Viertel zum Ghetto-Aufstand
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Tritt auf das Kopfsteinpflaster der Próżna-Straße und schau an den mehrstöckigen Mietshausfassaden empor: Hier scheint die Zeit für einen Moment stehen geblieben zu sein. Dies ist die einzige Straße im gesamten Areal des Warschauer Ghettos, in der historische Häuserzeilen auf beiden Seiten den Weltkrieg überstanden haben. Zwischen den kunstvollen schmiedeeisernen Balkongittern und den bröckelnden Stuckreliefs lässt sich die einstige Eleganz dieses Viertels noch heute lebhaft erahnen. Der Kontrast zwischen unberührter Vorkriegsarchitektur und modernen Glasbauten im Hintergrund ist atemberaubend.

Vor dem Krieg wohnten in diesen verzierten Miethäusern jüdische Buchhändler, Ärzte, Schneider und Rabbiner. In den holzvertäfelten Tordurchfahrten und an den Eingangstüren kann man bei genauem Hinsehen bis heute kleine schräge Vertiefungen im Mauerwerk erkennen: Es sind die stummen Spuren der Mesusot, jener Kapseln mit Tora-Versen, die gläubige Juden seit Jahrtausenden an ihren Türpfosten anbringen, um das Haus zu segnen.

Als das Ghetto im November 1940 abgeriegelt wurde, schnitt eine drei Meter hohe Mauer diese Straße mitten entzwei. Auf der einen Straßenseite drängten sich hungernde Menschen in überfüllten Wohnungen, während wenige Meter weiter auf der arischen Seite Straßenbahnen verkehrten. Die Häuser wechselten mehrfach den Besitzer, wurden beschossen und brannten in Teilen aus, doch ihre massiven Ziegelmauern hielten der Vernichtung stand.

Jahrzehntelang standen die Fassaden grau, bröckelnd und voller Einschusslöcher aus dem Aufstand von 1944 da, als steinerne Mahnmale des Schreckens. Der spätere Literaturnobelpreisträger Isaac Bashevis Singer verbrachte prägende Jahre seines Lebens in diesen Gassen und verewigte die Atmosphäre der Warschauer Miethäuser in seinen weltberühmten Romanen. Inzwischen wurden die Gebäude auf der Westseite vorbildlich restauriert, während die Fassaden gegenüber ihre rauen Kriegsspuren bewahrt haben. Jeden Spätsommer erwacht die Straße beim Singer-Festival zu neuem Leben, wenn Klezmermusik durch die Höfe hallt und der Duft jüdischer Spezialitäten die Luft erfüllt.

Biege am Ende der Próżna-Straße nach Süden in die Marszałkowska-Straße ein und gehe über die Świętokrzyska-Straße zur Złota-Straße.

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