Originale Ghettomauer in der Sienna-Straße
Why is it significant?
Tritt durch die Tordurchfahrt in den ruhigen, baumbestandenen Innenhof zwischen zwei Altbauten: Vor dir steht eine etwa drei Meter hohe, verwitterte Mauer aus roten Ziegelsteinen mit einer Krone aus halbrundem Zinkblech.
Key Facts
| Place | Originale Ghettomauer in der Sienna-Straße |
|---|---|
| Address | ul. Sienna 55, 00-820 Warszawa, Poland |
| Geo Coordinates | 52.23120, 20.99860 |
| Part of Walk | Das jüdische Warschau: Vom Muranów-Viertel zum Ghetto-Aufstand |
| Generated | Generated |
Tritt durch die Tordurchfahrt in den ruhigen, baumbestandenen Innenhof zwischen zwei Altbauten: Vor dir steht eine etwa drei Meter hohe, verwitterte Mauer aus roten Ziegelsteinen mit einer Krone aus halbrundem Zinkblech. Dies ist das berühmteste erhaltene Originalfragment der Warschauer Ghettomauer von 1940. Der Hof ist still, Birken wiegen sich im Wind, und die Gegenwart scheint für einen Moment ehrfürchtig innezuhalten.
Diese Mauer trennte ab November 1940 das Ghetto von der sogenannten arischen Seite der polnischen Hauptstadt. Die Ziegel wurden von jüdischen Zwangsarbeitern im Auftrag der deutschen Besatzungsverwaltung unter Aufsicht der SS aufgeschichtet. Die polnischen Bewohner dieses Hofes schauten jahrelang direkt auf diese Wand, hinter der ihre Nachbarn, Schulfreunde und Mitbürger systematisch ausgehungert und schließlich in die Vernichtungslager verschleppt wurden.
Tritt ganz nah an den porösen, verwitterten Backstein heran. An einigen Stellen fehlen Ziegelsteine in der Wand... sie wurden nicht von Randalierern herausgebrochen, sondern feierlich und mit Genehmigung entnommen: Einzelne Ziegel dieser Mauer befinden sich heute im Holocaust Memorial Museum in Washington, in der Gedenkstätte Yad Vashem in Jerusalem und im Jüdischen Museum in Melbourne als ewige Mahnung an die Menschheit.
Eine zweisprachige Bronzetafel an der Wand erinnert an das unermessliche Leiden der Gefangenen. Zahlreiche Besucher aus aller Welt legen kleine Steine und Kiesel auf Mauervorsprünge ab, nach uralter jüdischer Tradition, die besagt, dass Steine im Gegensatz zu vergänglichen Blumen ewig währen und das Gedächtnis an die Toten unzerstörbar machen. Hier wird die Geschichte physisch greifbar unter den Fingerspitzen.
Du hast auf diesem Weg die Stätten der grausamen Deportation, des heldenhaften Aufbegehrens und des Überlebens im Verborgenen gesehen. Warschau hat seine blühende jüdische Welt verloren, aber die Erinnerung an sie ist für immer unauslöschlich in den Stein dieser wiedergeborenen Stadt eingebrannt. Verlasse diesen stillen Hof mit Respekt und nimm die Botschaft dieses Ortes der Versöhnung mit in deinen Tag.