Denkmal am Umschlagplatz

Why is it significant?

Tritt an die weiße Mauer aus schwedischem Granit heran: Vor dir steht ein offenes Tor, das wie eine hohe Grabstele in den Himmel ragt, und auf dem Fries darüber sind hunderte Vornamen eingemeißelt. Dies ist der Umschlagplatz, der traurigste und dunkelste Ort der gesamten Stadtgeschichte Warschaus.

Key Facts

PlaceDenkmal am Umschlagplatz
Addressul. Stawki 10, 00-193 Warszawa, Poland
Geo Coordinates52.25230, 20.98910
Part of WalkDas jüdische Warschau: Vom Muranów-Viertel zum Ghetto-Aufstand
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Tritt an die weiße Mauer aus schwedischem Granit heran: Vor dir steht ein offenes Tor, das wie eine hohe Grabstele in den Himmel ragt, und auf dem Fries darüber sind hunderte Vornamen eingemeißelt. Dies ist der Umschlagplatz, der traurigste und dunkelste Ort der gesamten Stadtgeschichte Warschaus. Auf diesem Schotterplatz zwischen Güterschuppen und Eisenbahnschienen entschied sich im Sommer 1942 das Schicksal von mehr als einem Viertel der gesamten Stadtbevölkerung.

Zwischen dem 22. Juli und dem 12. September 1942, während der von den deutschen Besatzern zynisch sogenannten Großen Aktion, trieben SS- und Polizeieinheiten täglich bis zu zehntausend jüdische Menschen aus dem überfüllten Ghetto hierher zusammen. Sie wurden mit brutaler Gewalt in dunkle, überfüllte Viehwaggons gepfercht, deren Böden mit beißendem Chlorkalk bestreut waren, und ohne einen Tropfen Wasser in das sechzig Kilometer nordöstlich gelegene Vernichtungslager Treblinka transportiert. Über zweihundertfünfzigtausend Männer, Frauen und Kinder wurden in diesen wenigen Sommerwochen direkt von der Laderampe in die Gaskammern geschickt. Adam Czerniaków, der Vorsitzende des jüdischen Ältestenrates, wählte am zweiten Tag der Deportationen das Gift, weil er sich weigerte, die Todeslisten für die Kinder seiner Stadt zu unterschreiben.

Das 1988 eingeweihte Denkmal hat die symbolische Gestalt eines aufgeschnittenen Güterwaggons mit offenem Himmel. Der schwarze Basaltstreifen an der Innenwand erinnert an das traditionelle jüdische Trauerband, und die vierhundert eingravierten Vornamen von Aba bis Żanna stehen stellvertretend für die Hunderttausenden, deren Asche namenlos in Treblinka verstreut liegt. Schau dich um: Heute stehen hier moderne Wohnblöcke und Institute der Universität Warschau... Kinder spielen auf Gehwegen, über die einst endlose Kolonnen verzweifelter Familien getrieben wurden.

Einer der wenigen Menschen, die damals von diesem Gleis freiwillig in den Tod gingen, war Janusz Korczak, der weltberühmte Arzt, Schriftsteller und Reformpädagoge. Obwohl ihm polnische Freunde im Untergrund mehrfach ein sicheres Versteck auf der arischen Seite anboten, lehnte er standhaft ab. Am 5. August 1942 führte er die fast zweihundert Waisenkinder seines Heimes in Zweierreihen geordnet, mit der grünen Fahne der Hoffnung voran, Hand in Hand bis in die Waggontüren. Seine unerschütterliche Menschlichkeit leuchtet bis heute als ewiges Licht in der dunkelsten Nacht dieser Stadt.

Dieser Weg führt dich heute durch das ausgelöschte jüdische Viertel Warschaus, von dieser Laderampe über die Befehlsbunker der Aufständischen bis zur einzigen erhaltenen Synagoge. Folge der Stawki-Straße nach Osten und biege nach rechts in die Dubois-Straße ein, bis du an einer Straßenecke vor einem grasbewachsenen Hügel stehst.

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