POLIN-Museum & Willy-Brandt-Denkmal

Why is it significant?

Sieh dir die gläserne Hülle des Museums an, die wie von einer gewaltigen Schlucht gespalten wird, und gehe hinüber zum kleinen Skwer Willy'ego Brandta. Auf einer Backsteinwand siehst du das Bronzerelief eines Mannes im Mantel, der den Kopf senkt und die Knie beugt.

Key Facts

PlacePOLIN-Museum & Willy-Brandt-Denkmal
Addressul. Mordechaja Anielewicza 6, 00-157 Warszawa, Poland
Geo Coordinates52.24950, 20.99140
Part of WalkDas jüdische Warschau: Vom Muranów-Viertel zum Ghetto-Aufstand
GeneratedGenerated

Open the walk

Sieh dir die gläserne Hülle des Museums an, die wie von einer gewaltigen Schlucht gespalten wird, und gehe hinüber zum kleinen Skwer Willy'ego Brandta. Auf einer Backsteinwand siehst du das Bronzerelief eines Mannes im Mantel, der den Kopf senkt und die Knie beugt. Hier ereignete sich vor über einem halben Jahrhundert eine der bewegendsten Szenen der modernen Diplomatie.

Am 7. Dezember 1970 schrieb Bundeskanzler Willy Brandt an dieser Stelle Weltgeschichte. Er war nach Warschau gereist, um den historischen Warschauer Vertrag zur Normalisierung der Beziehungen und zur völkerrechtlichen Anerkennung der polnischen Westgrenze an Oder und Neiße zu unterzeichnen. Als Brandt am Denkmal der Helden des Ghettos einen Kranz niederlegte und die Schleifen ordnete, tat er etwas, was in keinem diplomatischen Protokoll vorgesehen war: Er sank schweigend auf die regennassen Granitplatten auf die Knie und verharrte dreißig Sekunden in stummem Gebet.

Später schrieb Brandt in seinen Memoiren: Am Abgrund der deutschen Geschichte und unter der Last der Millionen Ermordeten tat ich, was Menschen tun, wenn die Sprache versagt. Brandt selbst war als Antifaschist vor Hitler ins Exil geflohen und persönlich unschuldig an den Verbrechen der Besatzer. Gerade deshalb wirkte sein Kniefall als stellvertretendes Bekenntnis zur historischen Schuld so erschütternd und wurde zum weltweiten Symbol für echte Reue und Aussöhnung.

Das Museum POLIN direkt daneben, 2013 nach Plänen des finnischen Architekten Rainer Mahlamäki eröffnet, setzt dieser Tragödie ein lebendiges Denkmal entgegen. Es widmet sich auf über viertausend Quadratmetern nicht nur der Vernichtung, sondern der tausendjährigen Geschichte der Juden in Polen. Vor 1939 lebten in Warschau rund 375.000 jüdische Bürger, fast ein Drittel der Stadtbevölkerung... nach New York die zweitgrößte jüdische Metropole der Erde mit dutzenden Theatern, Zeitungen, Verlagen und Schulen.

Wir folgen den Spuren dieser reichen und dramatischen Geschichte nun weiter nach Süden. Gehe über die Karmelicka-Straße zur Dzielna-Straße, wo die roten Backsteinmauern des berüchtigten Pawiak-Gefängnisses auf dich warten.

Nearby stories