Pawiak-Gefängnis und der Ulmenbaum

Why is it significant?

Tritt durch die schwere Pforte in die von hohen Ziegelmauern umschlossene Gedenkstätte: Vor dir steht ein kahler, dunkel schimmernder Baum aus Bronze, dessen Äste über und über mit metallenen Trauertafeln und Totenbildern behängt sind.

Key Facts

PlacePawiak-Gefängnis und der Ulmenbaum
Addressul. Dzielna 24/26, 00-162 Warszawa, Poland
Geo Coordinates52.24650, 20.99080
Part of WalkDas jüdische Warschau: Vom Muranów-Viertel zum Ghetto-Aufstand
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Tritt durch die schwere Pforte in die von hohen Ziegelmauern umschlossene Gedenkstätte: Vor dir steht ein kahler, dunkel schimmernder Baum aus Bronze, dessen Äste über und über mit metallenen Trauertafeln und Totenbildern behängt sind. Daneben ragen die düsteren Reste eines gesprengten Zellenflügels auf, dessen Eisentüren ins Leere führen. Dies ist der Pawiak, das berüchtigtste Gefängnis in der Geschichte der polnischen Hauptstadt.

Der Pawiak, errichtet in den 1830er Jahren nach Plänen des Architekten Henryk Marconi unter russischer Zarenherrschaft, wurde ab September 1939 zum zentralen Untersuchungs- und Foltergefängnis der Gestapo im Generalgouvernement. Über einhunderttausend Menschen durchliefen während der deutschen Besatzungsjahre diese kalten Kerkerzellen: Kuriere der Heimatarmee, Untergrunddrucker, Geiseln aus Straßenrazzien und tausende jüdische Bürger. Mindestens siebenunddreißigtausend Häftlinge wurden direkt im Hof oder in den Wäldern von Palmiry erschossen, weitere sechzigtausend in Konzentrationslager deportiert.

Mitten im abgesperrten Ghetto gelegen, bildete der Pawiak eine deutsche Inselfestung hinter meterhohem Stacheldraht. Die Gefangenen konnten durch die winzigen, vergitterten Luken der oberen Stockwerke die riesigen Rauchwolken des brennenden Ghettos im Frühjahr 1943 beobachten und das Knattern der Maschinengewehre hören. Im August 1944, während des Warschauer Aufstands, ermordete die SS in panischer Eile die letzten verbliebenen Häftlinge und sprengte den gesamten Gebäudekomplex mit Dynamit in die Luft.

Der einzige Zeuge, der die gigantische Explosion im Gefängnishof überstand, war eine mächtige, alte Ulme. In den Nachkriegsjahren pilgerten tausende Mütter, Witwen und Waisen hierher und befestigten kleine Emailletafeln mit den Namen ihrer verschollenen Angehörigen mit Reißzwecken in der Rinde des Baumes. Als der alte Baum nach Jahrzehnten einer Pilzkrankheit erlag, ließ die Stadtverwaltung einen makellosen Bronzeabguss gießen, der bis heute die Schilder der Hinterbliebenen trägt... ein ewiger Baum aus Schmerz und Treue.

Verlasse das Gefängnisgelände nach Osten und folge der Dzielna-Straße bis zur Straße Bohaterów Getta, dem historischen Verlauf der legendären Nalewki.

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