Barbakane: Das rote Tor zur Neustadt
Why is it significant?
Vor dir steht ein Halbrund aus rotem Backstein, mit Schießscharten, einem Wehrgang und einem Tor, durch das die Nowomiejska-Straße aus der Altstadt hinaus zur Neustadt führt. In der Durchfahrt spielen oft Straßenmusiker, und auf den Mauern sitzen Leute mit Eis in der Hand.
Key Facts
| Place | Barbakane: Das rote Tor zur Neustadt |
|---|---|
| Address | ul. Nowomiejska 15/17, 00-271 Warszawa, Poland |
| Geo Coordinates | 52.25060, 21.01000 |
| Part of Walk | Warschau aus Trümmern: Altstadt, Königsschloss und die Bilder Bellottos |
| Generated | Generated |
Vor dir steht ein Halbrund aus rotem Backstein, mit Schießscharten, einem Wehrgang und einem Tor, durch das die Nowomiejska-Straße aus der Altstadt hinaus zur Neustadt führt. In der Durchfahrt spielen oft Straßenmusiker, und auf den Mauern sitzen Leute mit Eis in der Hand.
Die Barbakane entstand Mitte des 16. Jahrhunderts, um das Neustädter Tor zu schützen, nach Plänen eines Baumeisters aus Venedig, den man in Warschau Jan Baptysta den Venezianer nannte. Militärisch war sie schnell veraltet, denn gegen die Artillerie der folgenden Jahrhunderte halfen solche Mauern wenig. Also tat Warschau, was Städte mit nutzlosen Festungen tun: Man baute Wohnhäuser hinein und darüber, bis die Barbakane fast vollständig aus dem Stadtbild verschwand.
In den dreißiger Jahren legte man Teile wieder frei. Im August 1944 verlief hier eine Frontlinie des Aufstands, und danach lag auch die Barbakane in Trümmern. Zwischen 1952 und 1954 wurde sie wiederaufgebaut. Beim Räumen der Trümmer halfen in jenen Jahren Tausende Freiwillige, Schüler, Beamte und Arbeiter, oft nach Feierabend und an Sonntagen. Für den Wiederaufbau Warschaus wurden in jenen Jahren Millionen Ziegel aus Abbruchhäusern in den neuen polnischen Westgebieten herangeschafft, vor allem aus Breslau, das bis 1945 eine deutsche Stadt gewesen war.
Das ist eine der stillen Pointen dieser Stadt. Teile des wiederaufgebauten Warschau bestehen buchstäblich aus Steinen deutscher Häuser, deren Bewohner nach dem Krieg ihre Heimat verloren hatten. Zerstörung, Vertreibung und Wiederaufbau... alles in einer einzigen Wand, wenn man genau hinschaut. Breslau selbst lag damals zu großen Teilen in Trümmern, nach der monatelangen Belagerung im Frühjahr 1945. Polnische und deutsche Geschichte sind hier nicht nebeneinander erzählt, sondern ineinander vermauert.
Geh jetzt durch das Tor hinaus und weiter auf die Freta-Straße, die Hauptstraße der Neustadt. Schon nach wenigen Häusern hängt an einer schlichten Fassade eine Tafel für ein Mädchen, das hier 1867 zur Welt kam und später die Physik verändern sollte.