Stiftskirche & Stiftskaserne: Ein Mann namens Chaos

Why is it significant?

Bleib an der Ecke zur Stiftgasse stehen und schau auf die Stiftskirche, eine schmale Barockfassade mitten in der Einkaufsmeile, an der die meisten Leute mit ihren Taschen achtlos vorbeieilen. Gleich dahinter beginnt die lange Mauer der Stiftskaserne.

Key Facts

PlaceStiftskirche & Stiftskaserne: Ein Mann namens Chaos
AddressMariahilfer Straße 24, 1070 Wien, Austria
Geo Coordinates48.20060, 16.35600
Part of WalkVerstecktes Wien: Mariahilfer Stiegen, MuseumsQuartier & Spittelberg
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Bleib an der Ecke zur Stiftgasse stehen und schau auf die Stiftskirche, eine schmale Barockfassade mitten in der Einkaufsmeile, an der die meisten Leute mit ihren Taschen achtlos vorbeieilen. Gleich dahinter beginnt die lange Mauer der Stiftskaserne.

Der Name dieses ganzen Viertels, Stiftgasse, Stiftskirche, Stiftskaserne, geht auf eine Stiftung aus dem 17. Jahrhundert zurück. Ein wohlhabender Beamter, Johann Konrad Richthausen von Chaos, vermachte sein Vermögen einer Stiftung für Waisen und Findelkinder. Sie sollte Kindern, die niemand haben wollte, Essen, ein Bett und eine Ausbildung geben, in einer Zeit, in der ein ausgesetztes Kind kaum Chancen hatte. Auf diesem Grund entstand ein Stiftungshaus, und im 18. Jahrhundert kam die Kirche dazu. Ein Mann namens Chaos, der Ordnung in das Leben verlassener Kinder bringen wollte... so etwas kann man nicht erfinden.

Später übernahm das Militär das Areal, und bis heute sitzt in der Stiftskaserne die Landesverteidigungsakademie des österreichischen Bundesheeres. Das Gelände ist bis heute militärisches Areal, der Hof ist für Besucher nicht zugänglich. In ihrem Hof steht der Partner des Turms aus dem Esterházypark: der Gefechtsturm, auf dem im Zweiten Weltkrieg die schweren Flakgeschütze standen. Von der Straße aus siehst du ihn nur, wenn du weißt, wo du hinschauen musst, ein grauer Block, der hinter Dächern und Baumkronen auftaucht.

Um diesen Turm ranken sich Wiener Gerüchte. Man erzählt sich, das Bundesheer nutze sein Inneres bis heute für technische Anlagen, vielleicht sogar für eine Art Kommandozentrale für den Notfall. Was genau hinter den meterdicken Wänden steckt, erfährt man nicht. Und so bleibt er, was er für die meisten Wiener immer war, ein Ding, an dem man vorbeigeht, ohne es zu sehen. Ein Stück Krieg, versteckt hinter einer Einkaufsstraße, ein paar Meter neben Schaufenstern und Eisgeschäften.

Überquere jetzt die Mariahilfer Straße und geh auf der anderen Seite durch die Seitengassen bergab, bis zur Theobaldgasse. Nach wenigen Schritten fällt das Gelände plötzlich steil ab, und vor dir öffnet sich eine Treppe, die aussieht, als käme sie aus einem Jugendstil-Märchen.

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