Fillgraderstiege: Jugendstil zum Hinuntersteigen
Why is it significant?
Stell dich oben an die Brüstung der Fillgraderstiege und schau hinunter. Geschwungene Treppenläufe, die sich teilen und wieder zusammenfinden, Geländer mit eleganten Jugendstil-Linien, Laternen, kleine Podeste, und tief unten die Häuser der Fillgradergasse.
Key Facts
| Place | Fillgraderstiege: Jugendstil zum Hinuntersteigen |
|---|---|
| Address | Fillgradergasse, 1060 Wien, Austria |
| Geo Coordinates | 48.20000, 16.35940 |
| Part of Walk | Verstecktes Wien: Mariahilfer Stiegen, MuseumsQuartier & Spittelberg |
| Generated | Generated |
Stell dich oben an die Brüstung der Fillgraderstiege und schau hinunter. Geschwungene Treppenläufe, die sich teilen und wieder zusammenfinden, Geländer mit eleganten Jugendstil-Linien, Laternen, kleine Podeste, und tief unten die Häuser der Fillgradergasse. Unten tönt vielleicht ein Radio aus einem offenen Fenster, oben rauscht die Einkaufsstraße.
Warum braucht ein Wiener Bezirk überhaupt solche Treppen? Weil Mariahilf an einem Hang liegt. Oben verläuft die Mariahilfer Straße auf einem Höhenrücken, unten fließt der Wienfluss, und dazwischen fällt das Gelände in Stufen ab. Früher stieg man über steile Pfade hinunter in die alte Vorstadt Gumpendorf. Um 1900 begann die Stadt, solche Wege durch steinerne Stiegen zu ersetzen, und Mariahilf wurde zum Bezirk der Stiegen. Die Leute im Bezirk kennen sie alle beim Namen, wie andere Städte ihre Brücken.
Die Fillgraderstiege entstand von 1905 bis 1907 nach Plänen des Architekten Max Hegele, der auch die große Kuppelkirche auf dem Wiener Zentralfriedhof entworfen hat. Er machte aus einem schlichten Höhenunterschied ein kleines Bühnenbild. Man spürt den Geist der Wiener Moderne: keine Säulen und keine Heiligen, nur Linie, Rhythmus und solides Material. Die Treppe schwingt sich hinunter wie ein Wasserfall aus Stein, mit Ruhepunkten, auf denen man stehen bleiben und schauen kann. Infrastruktur als Kunstwerk, das ist Wien um 1900 in Reinform.
Das Schönste an dieser Stiege ist, dass kaum ein Reisender sie kennt. Hier sitzen Jugendliche mit Kaffeebechern auf den Stufen, Nachbarn schleppen ihre Einkäufe hinauf, und Fotografen warten auf das Abendlicht, das schräg über die Geländer fällt. An warmen Abenden wird die Treppe manchmal zum kleinen Amphitheater, mit Gitarren, Gesprächen und Flaschen auf den Stufen. Wer hier hinuntergeht, wechselt fast die Welt: oben die laute Einkaufsstraße, unten die stillen Gassen eines alten Handwerkerviertels, in dem früher Seifensieder, Weber und Gerber arbeiteten.
Unten angekommen, geh zur Gumpendorfer Straße und folge ihr ein kurzes Stück stadteinwärts. Bei der Rahlgasse wartet die zweite Stiege, ihre strengere Schwester, die dich wieder hinaufführt, fast direkt vor die Tore des Museumsquartiers.