Amerlinghaus: Das besetzte Haus, das den Spittelberg rettete

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Bleib vor dem Haus Stiftgasse 8 stehen, einem freundlichen alten Vorstadthaus mit Torbogen und Innenhof, aus dem oft Stimmen, Musik oder das Klappern von Geschirr dringen. An den Wänden kleben Plakate für Lesungen, Konzerte und Nachbarschaftstreffen.

Key Facts

PlaceAmerlinghaus: Das besetzte Haus, das den Spittelberg rettete
AddressStiftgasse 8, 1070 Wien, Austria
Geo Coordinates48.20320, 16.35460
Part of WalkVerstecktes Wien: Mariahilfer Stiegen, MuseumsQuartier & Spittelberg
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Bleib vor dem Haus Stiftgasse 8 stehen, einem freundlichen alten Vorstadthaus mit Torbogen und Innenhof, aus dem oft Stimmen, Musik oder das Klappern von Geschirr dringen. An den Wänden kleben Plakate für Lesungen, Konzerte und Nachbarschaftstreffen. Nichts daran wirkt museal, und genau darum geht es hier.

Das Amerlinghaus trägt den Namen von Friedrich von Amerling, der hier 1803 zur Welt kam. Er wurde der gefragteste Porträtmaler des Wiener Biedermeier, malte Kaiser Franz I. im Krönungsornat, dazu Adelige, Bankiers und Damen in Samt und Perlen. Ein Bub aus einer Handwerkerfamilie, der es bis an den Hof schaffte, und das aus einem Viertel, das damals keinen besonders guten Ruf hatte.

Rund hundertfünfzig Jahre später war der Spittelberg heruntergekommen. Viele der alten Häuser hatten kein Bad, oft nicht einmal Wasser in der Wohnung, und in den 1960er- und 1970er-Jahren gab es Pläne, große Teile des Viertels abzureißen und neu zu bebauen. Dagegen regte sich Widerstand, von Studenten, Künstlerinnen, Anrainern und Denkmalschützern, die nicht einsehen wollten, dass ein Stück Alt-Wien einfach verschwinden sollte. Anderswo in Europa waren ganze Altstadtviertel für Wohnblocks und breitere Straßen verschwunden, und genau das sollte hier nicht passieren.

1975 besetzten junge Leute das leer stehende Amerlinghaus, und diese Besetzung wurde zum Symbol einer ganzen Bewegung. Die Stadt lenkte ein, das Haus wurde zu einem selbstverwalteten Kultur- und Nachbarschaftszentrum, und die Häuser des Spittelbergs wurden nach und nach saniert statt abgerissen. Bis heute treffen sich hier Initiativen, Sprachkurse, Theatergruppen und Nachbarn, die einfach einen Raum brauchen. Dass du gleich durch diese Gassen bummeln kannst, verdankst du also auch ein paar sehr hartnäckigen Menschen mit Transparenten und Thermoskannen.

Geh jetzt ein paar Schritte weiter zur Spittelberggasse und folge ihr Richtung Burggasse. Achte auf die Hauszeichen, die schweren Holztore und die Pawlatschen in den Höfen, also die offenen Gänge an den Hofseiten, über die man in die einzelnen Wohnungen gelangte, und lass dir Zeit, denn jetzt kommt das Herz des Viertels.

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