St. Ulrich: Gluck, Strauss und ein Dorf in der Stadt
Why is it significant?
Komm auf den St.-Ulrichs-Platz und dreh dich einmal im Kreis. In der Mitte steht die barocke Kirche, rundherum drängen sich alte Häuser mit schmalen Fassaden, und der Platz ist so unregelmäßig, dass er eher gewachsen als geplant wirkt.
Key Facts
| Place | St. Ulrich: Gluck, Strauss und ein Dorf in der Stadt |
|---|---|
| Address | St.-Ulrichs-Platz, 1070 Wien, Austria |
| Geo Coordinates | 48.20460, 16.35260 |
| Part of Walk | Verstecktes Wien: Mariahilfer Stiegen, MuseumsQuartier & Spittelberg |
| Generated | Generated |
Komm auf den St.-Ulrichs-Platz und dreh dich einmal im Kreis. In der Mitte steht die barocke Kirche, rundherum drängen sich alte Häuser mit schmalen Fassaden, und der Platz ist so unregelmäßig, dass er eher gewachsen als geplant wirkt. Bäume, ein paar Bänke, Tauben, und erstaunlich wenig Lärm, obwohl die Burggasse nur ein paar Schritte entfernt ist.
Das ist er auch. Hier lag einer der ältesten Orte vor den Mauern Wiens, und schon im Mittelalter stand an dieser Stelle eine Kapelle des heiligen Ulrich. 1683 wurde sie wie die ganze Vorstadt von den Belagerern zerstört, und im 18. Jahrhundert entstand die Kirche, die du heute siehst. Der Platz drumherum ist ein Stück Dorf, das die Großstadt zwar geschluckt, aber nie ganz verdaut hat.
In dieser Kirche begannen zwei große Musikgeschichten. 1750 heiratete hier der Komponist Christoph Willibald Gluck, der später die Oper reformieren sollte. Und 1825 wurde hier ein Bub getauft, der ganz in der Nähe zur Welt gekommen war: Johann Strauss Sohn, der spätere Walzerkönig. Sein Vater, selbst ein gefeierter Walzerkomponist, wollte für ihn eine sichere bürgerliche Laufbahn, doch der Sohn wurde Musiker, gegen den Willen des Vaters, und überflügelte ihn bald. Der Mann, dessen Musik die ganze Welt mit Wien verbindet, ist also ein Kind dieses kleinen, schiefen Platzes.
Schau dir die Häuser rund um die Kirche genauer an. Manche tragen noch alte Hauszeichen, und hinter den Toren liegen Höfe mit Pawlatschen, den typischen Wiener Laubengängen, über die man früher in die Wohnungen gelangte. Im 19. Jahrhundert war Neubau ein Viertel der Werkstätten, vor allem der Seidenweber, und das Klappern der Webstühle gehörte hier zum Alltag wie heute das Klirren der Gläser in den Lokalen. Weil die Seide so viel Geld brachte, nannte man eine Gegend im benachbarten Schottenfeld sogar Brillantengrund.
Für das Finale gehen wir nur ein paar Schritte weiter, um die Ecke in die Mechitaristengasse. Dort wartet hinter einer stillen Fassade ein Stück Armenien mitten in Wien, mit einer Bibliothek, einer Druckerei... und einem Likör.