Spittelberg: Biedermeiergassen mit wilder Vergangenheit

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Geh langsam durch die Spittelberggasse und lass die Fassaden an dir vorbeiziehen. Zweistöckige Häuser in Gelb, Rosa und Ocker, barocke Giebel, Biedermeierfenster, schwere Tore, und auf dem Kopfsteinpflaster die Tische von Beisln und kleinen Läden.

Key Facts

PlaceSpittelberg: Biedermeiergassen mit wilder Vergangenheit
AddressSpittelberggasse, 1070 Wien, Austria
Geo Coordinates48.20450, 16.35530
Part of WalkVerstecktes Wien: Mariahilfer Stiegen, MuseumsQuartier & Spittelberg
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Geh langsam durch die Spittelberggasse und lass die Fassaden an dir vorbeiziehen. Zweistöckige Häuser in Gelb, Rosa und Ocker, barocke Giebel, Biedermeierfenster, schwere Tore, und auf dem Kopfsteinpflaster die Tische von Beisln und kleinen Läden.

Der Spittelberg ist tatsächlich ein kleiner Hügel, und sein Name erinnert vermutlich an das Wiener Bürgerspital, dem hier einst Grund gehörte. Nach der Türkenbelagerung von 1683 entstand an diesem Hang eine dichte Siedlung, in der Handwerker, Taglöhner und ausgediente Soldaten lebten. Die Häuser sind klein, weil der Grund knapp war, und manche Gassen so schmal, dass sich die Nachbarn fast über die Straße die Hand reichen könnten. Enge Häuser, viele Wirtshäuser, viel Wein, und bald ein Ruf, der bis in die Hofburg drang.

Im 18. Jahrhundert war der Spittelberg das berüchtigtste Vergnügungsviertel der Stadt, mit Schenken, Spielern und käuflicher Liebe. Soldaten aus den nahen Kasernen kamen, Studenten, Kutscher, und auch mancher feine Herr mit hochgeschlagenem Kragen. In der Gutenberggasse erzählt eine Tafel, Kaiser Joseph II. sei hier einmal inkognito aus einem Wirtshaus geworfen worden. Belegt ist das nicht, aber das Viertel erzählt diese Geschichte so gern, dass sie längst dazugehört wie das Pflaster.

Im Biedermeier wurde es ruhiger, viele Häuser bekamen ihre schlichten, eleganten Fassaden, und im 20. Jahrhundert verfiel das Viertel langsam, bis in den 1970er-Jahren die Rettung kam. Heute ist der Spittelberg eine der stimmungsvollsten Ecken Wiens, besonders im Advent. Viele Lokale sitzen in alten Gewölben, verwinkelt und gemütlich, und im Sommer stehen die Tische im Schatten der Hausmauern. Im Advent zieht sich dann ein Weihnachtsmarkt durch die Gassen, mit Kunsthandwerk, Punsch und Lichterketten über den Köpfen, und das alte Rotlichtviertel duftet nach Zimt und Orangen.

Am Ende der Gasse biegst du links in die Burggasse ein. Wirf unterwegs ruhig einen Blick in die offenen Höfe. Nach ein paar Schritten öffnet sich links ein kleiner, schiefer Platz mit einer Barockkirche in der Mitte, um die sich die Häuser scharen wie Küken um eine Henne.

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