Mechitaristenkloster: Armenien mitten in Neubau

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Bleib vor dem großen, ruhigen Gebäude in der Mechitaristengasse stehen. Eine strenge klassizistische Fassade, ein Kirchenportal, kaum Schilder, und eine Stille, die man zwischen den Lokalen und Designläden von Neubau kaum erwarten würde. Hier leben die Mechitaristen, armenisch-katholische Mönche.

Key Facts

PlaceMechitaristenkloster: Armenien mitten in Neubau
AddressMechitaristengasse 4, 1070 Wien, Austria
Geo Coordinates48.20590, 16.35460
Part of WalkVerstecktes Wien: Mariahilfer Stiegen, MuseumsQuartier & Spittelberg
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Bleib vor dem großen, ruhigen Gebäude in der Mechitaristengasse stehen. Eine strenge klassizistische Fassade, ein Kirchenportal, kaum Schilder, und eine Stille, die man zwischen den Lokalen und Designläden von Neubau kaum erwarten würde.

Hier leben die Mechitaristen, armenisch-katholische Mönche. Ihr Orden wurde Anfang des 18. Jahrhunderts von einem armenischen Geistlichen namens Mechitar gegründet, zuerst in Konstantinopel, dann zog die Gemeinschaft nach Venedig. Ein Zweig kam über Triest nach Wien und ließ sich zu Beginn des 19. Jahrhunderts hier bei St. Ulrich nieder. Die Mönche suchten Schutz vor den Wirren der napoleonischen Kriege und fanden ihn unter dem Kaiser in Wien. Das heutige Klostergebäude entstand in den 1830er-Jahren.

Die Mönche hatten eine Aufgabe, die weit über Gebete hinausging: die armenische Sprache und Kultur zu bewahren, für ein Volk, das über viele Reiche verstreut lebte. Dafür betrieben sie eine bedeutende Druckerei, die Bücher in vielen Sprachen und Schriften setzte, und sie sammelten eine Bibliothek mit kostbaren armenischen Handschriften. Mitten im Wiener Vorstadtgewusel lag hier über Generationen das Gedächtnis eines ganzen Volkes. Wörterbücher, Grammatiken und Ausgaben armenischer Klassiker gingen von hier aus in die Welt.

Und dann ist da noch der Likör. Seit dem 19. Jahrhundert stellen die Mönche nach einem gehüteten Rezept einen Kräuterlikör her, den Mechitharine, aus einer langen Liste von Kräutern. Manche schwören auf ihn als Verdauungshilfe nach einem schweren Essen, andere nehmen ein Fläschchen einfach als Andenken mit. Ein Kloster, das armenische Handschriften hütet und nebenbei einen Likör herstellt... genau solche Überraschungen versteckt Wien hinter unscheinbaren Fassaden.

Hier endet unser Spaziergang durch die verborgenen Ecken zwischen Wiental und Burggasse. Vom Sterbehaus Haydns über einen Flakturm voller Fische, zwei verwunschene Stiegen und kaiserliche Pferdeställe bis in die Gassen des Spittelbergs und zu einem armenischen Kloster. Wien zeigt seine besten Seiten selten an der Hauptstraße. Man muss nur eine Stiege hinuntergehen oder um eine Ecke biegen. Und gleich hinter dir, am Spittelberg, wartet ein Beisl auf den letzten Schluck des Tages.

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