Haydnhaus: Das letzte Zuhause von Joseph Haydn

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Bleib vor dem niedrigen, hell verputzten Vorstadthaus in der Haydngasse stehen, mit seinem Tor und den kleinen Fenstern. Kein Palais, kein Prunk, eher das Heim eines wohlhabenden Handwerksmeisters. Und doch hat hier einer der berühmtesten Komponisten Europas seine letzten zwölf Jahre verbracht.

Key Facts

PlaceHaydnhaus: Das letzte Zuhause von Joseph Haydn
AddressHaydngasse 19, 1060 Wien, Austria
Geo Coordinates48.19430, 16.34500
Part of WalkVerstecktes Wien: Mariahilfer Stiegen, MuseumsQuartier & Spittelberg
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Bleib vor dem niedrigen, hell verputzten Vorstadthaus in der Haydngasse stehen, mit seinem Tor und den kleinen Fenstern. Kein Palais, kein Prunk, eher das Heim eines wohlhabenden Handwerksmeisters. Und doch hat hier einer der berühmtesten Komponisten Europas seine letzten zwölf Jahre verbracht.

Joseph Haydn kaufte das Haus in den 1790er-Jahren. Damals lag es in der Vorstadt Windmühle, zwischen Gärten und Werkstätten, weit weg vom Trubel der Inneren Stadt. Er ließ ein Stockwerk aufsetzen und zog 1797 ein. Nach Jahrzehnten im Dienst der Fürsten Esterházy und zwei triumphalen Reisen nach London war er ein freier und wohlhabender Mann. Hier entstanden seine beiden großen Oratorien, Die Schöpfung und Die Jahreszeiten. Besucher aus ganz Europa klopften an das Tor, um den berühmten Papa Haydn wenigstens einmal zu sehen, und im Garten soll er gern zwischen seinen Beeten spazieren gegangen sein.

Im Mai 1809 standen Napoleons Truppen wieder vor Wien, und die Stadt wurde beschossen. Die Überlieferung erzählt, der alte, geschwächte Haydn habe seine verängstigten Hausleute beruhigt: Wo Haydn sei, könne ihnen nichts geschehen. Napoleon soll sogar eine Ehrenwache vor das Haus gestellt haben. Am 31. Mai 1809 starb Haydn hier, in einer besetzten Stadt, und zu den Trauerfeiern sollen auch französische Offiziere gekommen sein.

Dann beginnt die seltsamste Geschichte. Kurz nach dem Begräbnis öffneten zwei Anhänger der damals modischen Schädellehre heimlich das Grab und stahlen Haydns Kopf, um an ihm das Genie zu vermessen. Der Schädel wanderte über ein Jahrhundert lang von Hand zu Hand und lag zeitweise sogar in einer Vitrine der Gesellschaft der Musikfreunde. Erst 1954 wurde er in Eisenstadt wieder mit dem übrigen Körper vereint.

Heute gehört das Haus zum Wien Museum, mit einem kleinen Garten und, als Überraschung, einem Gedenkraum für Johannes Brahms, der Haydn zutiefst verehrte. Geh nun die Haydngasse hinauf zur Gumpendorfer Straße und dort stadteinwärts. Nach ein paar hundert Metern ragt links hinter den Dächern ein grauer Betonklotz in den Himmel, als hätte jemand eine Burg in einen Park fallen lassen.

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