Haus des Meeres: Der Flakturm im Esterházypark

Why is it significant?

Leg den Kopf in den Nacken: Vor dir, am Rand des kleinen Esterházyparks, steht ein fensterloser Turm aus grauem Beton, eckig und wuchtig, und an einer seiner Wände klettern Menschen an bunten Griffen in die Höhe.

Key Facts

PlaceHaus des Meeres: Der Flakturm im Esterházypark
AddressFritz-Grünbaum-Platz 1, 1060 Wien, Austria
Geo Coordinates48.19720, 16.35220
Part of WalkVerstecktes Wien: Mariahilfer Stiegen, MuseumsQuartier & Spittelberg
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Leg den Kopf in den Nacken: Vor dir, am Rand des kleinen Esterházyparks, steht ein fensterloser Turm aus grauem Beton, eckig und wuchtig, und an einer seiner Wände klettern Menschen an bunten Griffen in die Höhe. Ringsum Spielplatz, Bänke und Bäume, ein ganz gewöhnlicher Wiener Beserlpark, und mittendrin dieser Koloss.

Das ist ein Flakturm aus dem Zweiten Weltkrieg. 1943 und 1944 ließ das NS-Regime in Wien drei Paare solcher Türme errichten, im Augarten, im Arenbergpark und hier, jeweils einen Gefechtsturm für die Geschütze und einen Leitturm für die Feuerleitung. Dieser hier ist ein Leitturm, sein Partner steht ein paar hundert Meter entfernt im Hof der Stiftskaserne. Gebaut wurden die Türme auch von Zwangsarbeitern, und in den Bombennächten drängten sich Tausende Menschen in ihren Schutzräumen.

Nach dem Krieg wollte man die Türme loswerden, aber das war leichter gesagt als getan. Die Wände sind meterdick, und eine Sprengung mitten in dicht bewohnten Vierteln hätte die Häuser rundherum gleich mit zerstört. Also blieben sie stehen, graue Riesen, über die viele Wiener lange lieber nicht sprachen. Bis jemand eine wunderbar absurde Idee hatte. Einige der Wiener Türme stehen bis heute leer, andere dienen als Lager.

Seit 1957 wohnen in diesem Turm Fische. Das Haus des Meeres zeigt Haie, Rochen, Schildkröten und tropische Tiere, wo einst Soldaten anfliegende Bomber anpeilten. Außen hat der Alpenverein eine Kletterwand angebracht, und hoch oben läuft in großen Lettern ein Satz des amerikanischen Künstlers Lawrence Weiner aus dem Jahr 1991: Zerschmettert in Stücke, im Frieden der Nacht. Ein Kunstwerk, das den Bau nicht schönredet, sondern ihn zum Sprechen bringt. Und von der Terrasse ganz oben hast du einen der weitesten Blicke über die Dächer der Stadt.

Auch der Platz vor dem Eingang erinnert: Er trägt den Namen von Fritz Grünbaum, einem Wiener Kabarettisten, der 1941 im Konzentrationslager Dachau ermordet wurde. Geh jetzt durch den Park hinauf zur Mariahilfer Straße. Dort, wo sich Fußgänger die Straße mit Radfahrern teilen, steht eine Kirche mit einem Komponisten aus Stein davor, und du kennst ihn bereits.

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