Riesenrad & Wurstelprater: Das Rad, das den Krieg überlebte
Why is it significant?
Leg den Kopf in den Nacken: Über dir dreht sich ganz langsam das Riesenrad, rot, stählern, mit seinen Waggons, die aussehen wie kleine Straßenbahnwagen, die jemand an den Himmel gehängt hat. Rundherum blinkt, klingelt und kreischt der Wurstelprater.
Key Facts
| Place | Riesenrad & Wurstelprater: Das Rad, das den Krieg überlebte |
|---|---|
| Address | Riesenradplatz 1, 1020 Wien, Austria |
| Geo Coordinates | 48.21670, 16.39580 |
| Part of Walk | Flaktürme, Mazzesinsel und Riesenrad: Die verborgene Leopoldstadt in Wien |
| Generated | Generated |
Leg den Kopf in den Nacken: Über dir dreht sich ganz langsam das Riesenrad, rot, stählern, mit seinen Waggons, die aussehen wie kleine Straßenbahnwagen, die jemand an den Himmel gehängt hat. Rundherum blinkt, klingelt und kreischt der Wurstelprater.
Gebaut wurde das Rad 1896 und 1897 von dem englischen Ingenieur Walter Basset, der solche Räder auch in England errichtet hatte. Der Anlass war das fünfzigjährige Thronjubiläum von Kaiser Franz Joseph, und das Rad stand im Vergnügungspark Venedig in Wien. Mit rund 65 Metern Höhe war es eines der größten Räder der Welt. Von Bassets Riesenrädern ist das Wiener das einzige, das erhalten geblieben ist.
Dabei hätte es fast nicht überlebt. Schon Anfang des zwanzigsten Jahrhunderts sollte es einmal abgerissen werden, doch der Abriss wäre zu teuer gewesen. Und im April 1945, in den letzten Kriegstagen, brannte der Prater, und das Riesenrad fing Feuer. Die Waggons verbrannten, das Stahlgerüst blieb stehen. Schon 1947 drehte es sich wieder, allerdings nur noch mit halb so vielen Waggons wie vorher, und so ist es bis heute.
Zwei Jahre später schrieb das Rad Filmgeschichte. In Der dritte Mann von 1949 treffen sich Orson Welles als Harry Lime und Joseph Cotten in einem dieser Waggons. Hoch über dem zerbombten Wien schaut Lime auf die Menschen hinunter, die winzig wie Punkte wirken, und spricht über sie mit einer Kälte, die einem bis heute den Atem nimmt. Seither fahren Filmfans aus aller Welt genau diese Runde.
Und rundherum der Wurstelprater, benannt nach dem Hanswurst, dem Kasperl der alten Volksbühnen. Seit Kaiser Joseph der Zweite 1766 den kaiserlichen Prater für alle öffnete, durften hier Wirte, Gaukler und Schausteller ihr Geschäft machen, und daraus wurde dieser Rummel. Die kleine Liliputbahn schnauft seit 1928 durchs Grüne. Geh jetzt nach Süden aus dem Trubel hinaus, bis du auf eine schnurgerade, endlos lange Allee stößt.