Prater Hauptallee: Kastanien, Korso und zwei Stunden
Why is it significant?
Vor dir zieht sich eine Allee, so gerade, dass sie am Horizont zu einem Punkt zusammenzulaufen scheint: die Prater Hauptallee. Rechts und links alte Kastanienbäume, dazwischen Jogger, Radfahrer, Spaziergänger mit Hunden, Kinderwagen und Rollschuhe.
Key Facts
| Place | Prater Hauptallee: Kastanien, Korso und zwei Stunden |
|---|---|
| Address | Prater Hauptallee, 1020 Wien, Austria |
| Geo Coordinates | 48.21300, 16.39900 |
| Part of Walk | Flaktürme, Mazzesinsel und Riesenrad: Die verborgene Leopoldstadt in Wien |
| Generated | Generated |
Vor dir zieht sich eine Allee, so gerade, dass sie am Horizont zu einem Punkt zusammenzulaufen scheint: die Prater Hauptallee. Rechts und links alte Kastanienbäume, dazwischen Jogger, Radfahrer, Spaziergänger mit Hunden, Kinderwagen und Rollschuhe. Im Frühling, wenn die Kastanien weiß und rosa blühen, wirkt sie wie ein langer Festsaal unter freiem Himmel.
Rund viereinhalb Kilometer ist die Allee lang, vom Praterstern bis zum Lusthaus, einem achteckigen Pavillon am anderen Ende, wo früher die Hofgesellschaft nach der Jagd rastete. Angelegt wurde sie schon im sechzehnten Jahrhundert, als der Prater noch ein kaiserliches Jagdrevier war, in dem einfache Leute nichts verloren hatten. Erst Joseph der Zweite öffnete das Gebiet 1766 für alle, und seither ist diese Allee die Promenade der Wiener.
Im neunzehnten Jahrhundert fuhr hier die feine Gesellschaft in Kutschen auf und ab, um zu sehen und gesehen zu werden. Fürstin Pauline Metternich organisierte 1886 einen Blumenkorso, mit Wagen voller Blumen, und halb Wien stand an den Rändern und staunte. Der Prater war der Ort, an dem sich Adel und Volk zumindest begegneten, wenn auch auf verschiedenen Seiten der Absperrung.
Und dann, am 12. Oktober 2019, wurde diese Allee Sportgeschichte. Der kenianische Läufer Eliud Kipchoge lief hier, auf einer eigens vermessenen Runde in der Hauptallee, einen Marathon in 1 Stunde, 59 Minuten und 40 Sekunden. Zum ersten Mal lief ein Mensch die 42 Kilometer unter zwei Stunden. Weil Tempomacher wechselten und die Bedingungen nicht den Regeln entsprachen, zählt die Zeit nicht als offizieller Weltrekord... aber gelaufen ist er sie, hier, unter diesen Kastanien.
Damit endet unser Spaziergang durch die Leopoldstadt, vom Betonriesen im Augarten über die Mazzesinsel, die Ufer des Donaukanals und die Theater der Praterstraße bis zum Riesenrad. Ein Bezirk voller verborgener Geschichten, schöner und schwerer. Wenn du noch Kraft hast, geh einfach geradeaus weiter, so weit, wie du magst. Die Hauptallee hat Platz für alle, und das ist vielleicht ihr schönstes Geheimnis.