Nestroyplatz & Nestroyhof: Theater in der Vorstadt

Why is it significant?

Du stehst an der Praterstraße, einem breiten Boulevard, und am Nestroyplatz fällt dir ein Eckhaus mit eleganter Jugendstilfassade auf: der Nestroyhof. Heute rauscht hier vor allem der Verkehr vorbei, doch einst war diese Straße der Broadway der Wiener Vorstadt.

Key Facts

PlaceNestroyplatz & Nestroyhof: Theater in der Vorstadt
AddressNestroyplatz 1, 1020 Wien, Austria
Geo Coordinates48.21530, 16.38550
Part of WalkFlaktürme, Mazzesinsel und Riesenrad: Die verborgene Leopoldstadt in Wien
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Du stehst an der Praterstraße, einem breiten Boulevard, und am Nestroyplatz fällt dir ein Eckhaus mit eleganter Jugendstilfassade auf: der Nestroyhof. Heute rauscht hier vor allem der Verkehr vorbei, doch einst war diese Straße der Broadway der Wiener Vorstadt.

Der Platz ist nach Johann Nestroy benannt, dem großen Spötter des Wiener Theaters, Schauspieler und Dichter in einer Person. Seine Possen, wie der Talisman oder Lumpazivagabundus, nahmen die Eitelkeit der Bürger, die Zensur und die Obrigkeit aufs Korn, und das Publikum liebte ihn dafür. Gleich hier an der Praterstraße stand das Carltheater, das Nestroy in den 1850er Jahren selbst leitete. Wenn die Zensoren im Saal saßen, soll er seine Texte brav aufgesagt haben, und an den Abenden ohne sie improvisierte er, was die Pointen hergaben.

Das Carltheater gibt es nicht mehr. Es wurde im Zweiten Weltkrieg schwer beschädigt und Anfang der 1950er Jahre abgerissen, an seiner Stelle steht heute ein nüchterner Bürobau. Von der einstigen Theaterseligkeit der Praterstraße ist nur wenig übrig geblieben. Ein paar Häuser weiter, in der Praterstraße 16, kam übrigens 1862 Arthur Schnitzler zur Welt, der später die Seelen der Wiener sezierte wie kaum ein anderer.

Der Nestroyhof aber steht noch. Erbaut wurde er 1898 nach Plänen von Oskar Marmorek, einem Architekten, der ein Freund und Mitstreiter Theodor Herzls war. Im Haus gab es einen Theatersaal, und in der Zwischenkriegszeit spielte dort eine jüdische Bühne, mit Kabarett, Liedern und Stücken, bis 1938 alles endete. Seit einigen Jahren ist der Saal wieder bespielt, als Theater Nestroyhof Hamakom, und Hamakom heißt auf Hebräisch: der Ort.

Und Marmorek hat noch eine zweite Spur ganz in der Nähe hinterlassen. 1895 baute er im Prater eine ganze Fantasiestadt namens Venedig in Wien, mit Kanälen, Gondeln und Palazzi aus Gips. Und in genau diesem Vergnügungspark entstand wenig später das Riesenrad. Geh jetzt die Praterstraße weiter stadtauswärts, bis sich vor dir ein großer, runder Platz öffnet, mit einer Säule voller Schiffsbuge in der Mitte.

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