Schwedenplatz & der Eissalon von 1886
Why is it significant?
Stell dich an den Rand des Schwedenplatzes, den Donaukanal im Rücken, und schau auf die Ecke, an der sich im Sommer eine Schlange quer über den Gehsteig zieht.
Key Facts
| Place | Schwedenplatz & der Eissalon von 1886 |
|---|---|
| Address | Franz-Josefs-Kai 17, 1010 Wien, Austria |
| Geo Coordinates | 48.21140, 16.37730 |
| Part of Walk | Wien mit vollem Mund: Vom Schwedenplatz zum Naschmarkt |
| Generated | Generated |
Stell dich an den Rand des Schwedenplatzes, den Donaukanal im Rücken, und schau auf die Ecke, an der sich im Sommer eine Schlange quer über den Gehsteig zieht. Dort, wo die Rotenturmstraße hinauf in die Innere Stadt führt, wird seit 1886 Eis verkauft... und die Wiener stehen dafür an, als ginge es um Opernkarten.
Der Eissalon am Schwedenplatz gehört zu den ältesten Eisgeschäften der Stadt, gegründet von Eismachern aus Norditalien. Das ist kein Zufall. Aus den Bergtälern um Belluno, aus dem Zoldo und dem Cadore, zogen im 19. Jahrhundert ganze Familien als Gelatieri über die Alpen, nach Wien, Prag oder Budapest. Viele fuhren im Winter heim und kamen im Frühling mit ihren Rezepten zurück. Manche Wiener erkennen den Frühling bis heute nicht am Kalender, sondern daran, dass am Schwedenplatz die Rollläden wieder oben sind.
Und der Platz selbst? Sein Name ist ein Dankeschön aus Hungerzeiten. Nach dem Ersten Weltkrieg war Wien eine ausgezehrte Hauptstadt ohne Reich, Kinder waren unterernährt, Milch und Fett kaum zu bekommen. Hilfsorganisationen aus Schweden schickten Lebensmittel und holten Wiener Kinder zum Aufpäppeln in den Norden. 1919 bekam der Platz am Kai deshalb seinen Namen. Wer hier ein Eis schleckt, steht also auf einem Denkmal für ein Stück Brot.
Ein kleiner Wiener Trick: Beobachte die Leute in der Schlange. Wer zum ersten Mal da ist, bestellt drei Kugeln in leuchtenden Farben. Die Stammgäste nehmen oft ganz unaufgeregt Vanille oder Schokolade, weil man an der einfachsten Sorte erkennt, ob jemand sein Handwerk beherrscht. Und kaum jemand isst sein Eis im Sitzen... das Eis vom Schwedenplatz wird gegangen, den Kai entlang oder hinauf in die Stadt.
Genau das machen wir jetzt auch. Dieser Spaziergang führt einmal quer durch den Wiener Magen, vom Eis über Schnitzel, Brötchen und Würstel bis zu drei Kaffeehäusern und einem Markt, der über einem Fluss liegt. Geh die Rotenturmstraße hinauf Richtung Stephansdom und bieg links in die Wollzeile ein. Dort, in einem schmalen Durchgang, wartet ein Schnitzel, das über den Tellerrand hängt.