Fleischmarkt und Griechenbeisl: Der liebe Augustin

Why is it significant?

Am Fleischmarkt fällt dir sofort diese Fassade auf: rote Ziegel, goldene Ornamente, byzantinische Bögen, wie ein Stück Konstantinopel zwischen Wiener Bürgerhäusern. Das ist die griechisch-orthodoxe Kirche zur Heiligen Dreifaltigkeit.

Key Facts

PlaceFleischmarkt und Griechenbeisl: Der liebe Augustin
AddressFleischmarkt 11, 1010 Wien, Austria
Geo Coordinates48.21070, 16.37730
Part of WalkMittelalterliches Wien: Judenplatz, Bermudadreieck und verwinkelte Gassen
GeneratedGenerated

Open the walk

Am Fleischmarkt fällt dir sofort diese Fassade auf: rote Ziegel, goldene Ornamente, byzantinische Bögen, wie ein Stück Konstantinopel zwischen Wiener Bürgerhäusern. Das ist die griechisch-orthodoxe Kirche zur Heiligen Dreifaltigkeit. Und gleich daneben, an der Ecke, ein niedriges, altes Wirtshaus: das Griechenbeisl.

Der Name der Gasse ist ehrlich: Hier wurde im Mittelalter Fleisch verkauft, die Fleischhauer hatten ihre Bänke an dieser Straße. Im achtzehnten Jahrhundert kamen dann die Griechen. Nach dem Frieden von Passarowitz 1718 blühte der Handel mit dem Osmanischen Reich auf, und griechische und andere Kaufleute vom Balkan ließen sich genau hier nieder, mit Baumwolle, Wolle, Tabak und Gewürzen. Die prachtvolle Fassade ihrer Kirche hat Theophil Hansen gestaltet, derselbe Architekt, der später das Parlament baute.

Und jetzt zur berühmtesten Legende der Gasse. 1679 wütet in Wien die Pest. Ein Bänkelsänger und Dudelsackpfeifer namens Augustin trinkt sich eines Abends so voll, dass er auf der Straße einschläft. Die Leichenknechte halten ihn für tot und werfen ihn in eine Pestgrube. Am Morgen wacht Augustin zwischen den Toten auf, spielt auf seinem Dudelsack, bis man ihn herauszieht, und hat sich nicht angesteckt. Seitdem singt man: Oh du lieber Augustin, alles ist hin.

Im Eingang des Griechenbeisls kannst du durch ein Gitter in eine Grube hinunterschauen, und dort sitzt Augustin als Figur, mit seinem Dudelsack. Das Wirtshaus selbst ist über fünfhundert Jahre alt, erwähnt schon im fünfzehnten Jahrhundert. Im Inneren gibt es einen Raum, an dessen Wänden berühmte Gäste unterschrieben haben sollen, von Komponisten bis Mark Twain.

Die Geschichte vom Augustin ist übrigens typisch für Wien: Mitten in der Katastrophe ein Lied, ein Rausch und ein Schmäh. Die Wiener nennen das Galgenhumor, und sie sind stolz darauf. Wirf, bevor du gehst, noch einen Blick in die kleine Griechengasse um die Ecke: Dort steht ein mittelalterlicher Wohnturm, einer der ganz wenigen, die die Stadt noch hat. Geh jetzt den Fleischmarkt weiter und dann rechts in die Postgasse, vorbei an der weißen Dominikanerkirche, bis an den Rand der Altstadt, zum Stubentor.

Nearby stories