Neuer Markt: Der alte Mehlmarkt & der Donnerbrunnen
Why is it significant?
Tritt hinaus auf den Neuen Markt, diesen lang gestreckten Platz, und geh bis zum Brunnen in der Mitte. Rund um das Becken liegen und lehnen Figuren aus grünlichem Metall, Flüsse in Menschengestalt, und oben thront eine Frau mit ruhigem, fast gelangweiltem Blick.
Key Facts
| Place | Neuer Markt: Der alte Mehlmarkt & der Donnerbrunnen |
|---|---|
| Address | Neuer Markt, 1010 Wien, Austria |
| Geo Coordinates | 48.20660, 16.37040 |
| Part of Walk | Wien mit vollem Mund: Vom Schwedenplatz zum Naschmarkt |
| Generated | Generated |
Tritt hinaus auf den Neuen Markt, diesen lang gestreckten Platz, und geh bis zum Brunnen in der Mitte. Rund um das Becken liegen und lehnen Figuren aus grünlichem Metall, Flüsse in Menschengestalt, und oben thront eine Frau mit ruhigem, fast gelangweiltem Blick.
Der Name ist ein schöner Wiener Witz, denn neu ist hier gar nichts. Der Markt wurde schon im Hochmittelalter angelegt, als zweiter großer Marktplatz der Stadt neben dem älteren Hohen Markt, deshalb neu. Jahrhundertelang hieß er im Volksmund aber anders, nämlich Mehlmarkt. Hier wurde Mehl gehandelt, und Mehl ist in Wien kein Nebendarsteller. Ohne Mehl keine Semmel, keine Knödel, kein Strudel und keine Mehlspeise, und Mehlspeise ist auf Wienerisch das Wort für fast alles Süße, vom Gugelhupf bis zur Torte.
Der Brunnen stammt von Georg Raphael Donner, einem der großen Bildhauer des österreichischen Barock, und wurde 1739 vollendet. In der Mitte sitzt die Providentia, die Vorsehung, um sie herum vier Flüsse des Landes: Enns, Ybbs, March und Traun. Donner ließ die Figuren aus Blei gießen, ein ungewöhnlich weiches Material für einen Brunnen, und seine Gestalten sind ziemlich nackt. Sie wirken leicht und beweglich, als würden sie gleich ins Wasser gleiten, und gerade das war neu in einer Stadt voller schwerer, ernster Barockheiliger.
Genau das wurde ihnen zum Verhängnis. Unter Maria Theresia wurden die Figuren abgenommen, der Überlieferung nach, weil so viel nackte Haut auf einem Marktplatz als unschicklich galt. Später kehrten sie zurück, und im 19. Jahrhundert ersetzte man die angegriffenen Bleifiguren durch Bronzegüsse. Die Originale stehen heute im Belvedere, schön im Trockenen, weit weg von Mehlstaub und Marktgeschrei. Am südlichen Ende des Platzes liegt übrigens die Kapuzinergruft, wo die Habsburger ruhen, nur ein paar Schritte vom alten Mehlmarkt entfernt.
Von hier ist es nicht weit zu einem Kaffeehaus, das älter ist als fast alle anderen der Stadt. Geh über die Kärntner Straße hinüber und in die Himmelpfortgasse, vorbei an grauen Palais, bis zu einer bescheidenen Tür mit dem Namen Frauenhuber. Unterwegs kommst du an Adelspalais vorbei, deren Bewohner ihr Mehl wohl kaum selbst vom Markt nach Hause getragen haben.