Kapuzinergruft: Die Anklopfzeremonie

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Am Neuen Markt, gleich beim Donnerbrunnen, steht eine erstaunlich bescheidene Kirchenfassade. Kein Gold, keine Türme, nur ein schlichter Giebel. Das ist die Kirche der Kapuziner, eines Bettelordens.

Key Facts

PlaceKapuzinergruft: Die Anklopfzeremonie
AddressTegetthoffstraße 2, 1010 Wien, Austria
Geo Coordinates48.20580, 16.37020
Part of WalkKaiserliches Wien: Hofburg, Heldenplatz und die Kapuzinergruft
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Am Neuen Markt, gleich beim Donnerbrunnen, steht eine erstaunlich bescheidene Kirchenfassade. Kein Gold, keine Türme, nur ein schlichter Giebel. Das ist die Kirche der Kapuziner, eines Bettelordens. Und genau darunter, im Keller dieser armen Mönche, liegen die mächtigsten Menschen, die Mitteleuropa je regiert haben.

Gestiftet hat die Gruft Kaiserin Anna, die Frau von Kaiser Matthias. 1633 wurden die beiden als erste hier beigesetzt. Seitdem sind rund hundertfünfzig Mitglieder der Familie dazugekommen, darunter zwölf Kaiser. Lange wurden die Habsburger dreigeteilt bestattet: der Körper hier, das Herz in der Augustinerkirche, die Eingeweide im Stephansdom. Und bis heute wachen die Kapuziner über die Toten.

Das prächtigste Grab gehört Maria Theresia und ihrem Mann Franz Stephan. Auf dem riesigen Doppelsarkophag von Balthasar Ferdinand Moll richten sich die beiden auf und schauen einander an, als würden sie gerade aus dem Schlaf erwachen. Zu ihren Füßen steht ein schlichter Kupfersarg: ihr Sohn Joseph der Zweite, der Prunk verachtete. Und ganz in der Nähe liegt eine Frau, die keine Habsburgerin war, Gräfin Fuchs, die Erzieherin Maria Theresias. Die Kaiserin wollte sie bei sich haben.

Wenn ein Habsburger hierher gebracht wird, gibt es ein uraltes Ritual. Zuletzt sah es die Welt am 16. Juli 2011, bei Otto von Habsburg, dem Sohn des letzten Kaisers. Ein Zeremonienmeister klopft an das Tor. Von drinnen fragt ein Kapuziner: Wer begehrt Einlass? Draußen werden Ottos Titel und Ehren verlesen. Die Antwort: Wir kennen ihn nicht. Beim zweiten Mal dasselbe. Erst beim dritten Klopfen heißt es: ein sterblicher, sündiger Mensch. Und dann: So komme er herein. 1989 war es genauso bei Zita, der letzten Kaiserin.

In der Franz-Joseph-Gruft liegen heute der alte Kaiser, Elisabeth und Kronprinz Rudolf nebeneinander. Nur der letzte Kaiser fehlt: Karl der Erste starb 1922 im Exil auf Madeira und liegt dort begraben. Geh jetzt hinüber zur Kärntner Straße und dann durch die Himmelpfortgasse nach Osten, bis zur alten Bastei an der Seilerstätte. Dort erzählt ein Palais von einer Familie, die es mit Hochzeiten noch weiter brachte als die Habsburger.

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