Stubentor: Die Mauer aus Löwenherz' Lösegeld

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Hier, am östlichen Rand der Altstadt, rund um den U-Bahn-Ausgang Stubentor, findest du ein paar grobe, dunkle Mauerreste, die so gar nicht zu den eleganten Ringstraßenbauten ringsum passen. Die meisten Leute eilen achtlos daran vorbei.

Key Facts

PlaceStubentor: Die Mauer aus Löwenherz' Lösegeld
AddressDr.-Karl-Lueger-Platz, 1010 Wien, Austria
Geo Coordinates48.20690, 16.37930
Part of WalkMittelalterliches Wien: Judenplatz, Bermudadreieck und verwinkelte Gassen
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Hier, am östlichen Rand der Altstadt, rund um den U-Bahn-Ausgang Stubentor, findest du ein paar grobe, dunkle Mauerreste, die so gar nicht zu den eleganten Ringstraßenbauten ringsum passen. Die meisten Leute eilen achtlos daran vorbei. Dabei sind diese Steine mit einem der spektakulärsten Kriminalfälle des Mittelalters verbunden.

Im Dezember 1192 schleicht ein Pilger durch die Gegend von Wien, auf dem Heimweg vom Kreuzzug. Es ist in Wahrheit König Richard Löwenherz von England, und er hat einen Todfeind hier: Herzog Leopold den Fünften, den er im Heiligen Land schwer beleidigt hatte. Die Legende erzählt, Richard habe sich verraten, weil er in einer Herberge in Erdberg einen kostbaren Ring trug, oder weil er sich als Küchenknecht verkleidet zu ungeschickt anstellte. Jedenfalls wird er gefangen genommen und auf der Burg Dürnstein in der Wachau eingesperrt. Die Burg ist heute eine Ruine hoch über der Donau, und Wanderer steigen hinauf, um zu sehen, wo der König saß.

Das Lösegeld war gigantisch, viele Tonnen Silber. Ein großer Teil davon landete in Österreich, und mit diesem Geld baute Wien um 1200 eine neue, viel größere Stadtmauer. Die Mauern, die das mittelalterliche Wien schützten, wurden also, wenn du so willst, von England bezahlt.

Diese Mauer hielt Jahrhunderte. Das Stubentor war eines ihrer Haupttore nach Osten. 1529 und 1683 stand das osmanische Heer davor, und beide Male hielt die Stadt. Erst die Ringstraße machte der Befestigung ab 1858 ein Ende, und das Stubentor verschwand. Seine Reste kamen erst wieder ans Licht, als man im zwanzigsten Jahrhundert hier für die U-Bahn grub.

Und der Name? Vermutlich kommt er von den Badestuben, die es in dieser Gegend gab, den öffentlichen Bädern des Mittelalters. Ganz sicher ist das nicht, aber die Vorstellung gefällt: dampfende Bäder gleich hinter dem Stadttor. Geh jetzt ein Stück die Wollzeile in die Stadt hinein und dann durch die Gassen nach rechts, nach Norden, bis zu einem kleinen Platz mit einer Barockkirche mit zwei Türmen.

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