Jesuitenkirche und Alte Universität

Why is it significant?

Du stehst auf einem kleinen, feierlichen Platz: auf der einen Seite eine Barockkirche mit zwei Türmen, auf der anderen ein vornehmes Gebäude mit einem Portal aus Säulen. Studenten sieht man hier heute kaum noch, und doch war dies jahrhundertelang das Viertel der Wiener Universität.

Key Facts

PlaceJesuitenkirche und Alte Universität
AddressDr.-Ignaz-Seipel-Platz 1, 1010 Wien, Austria
Geo Coordinates48.20860, 16.37750
Part of WalkMittelalterliches Wien: Judenplatz, Bermudadreieck und verwinkelte Gassen
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Du stehst auf einem kleinen, feierlichen Platz: auf der einen Seite eine Barockkirche mit zwei Türmen, auf der anderen ein vornehmes Gebäude mit einem Portal aus Säulen. Studenten sieht man hier heute kaum noch, und doch war dies jahrhundertelang das Viertel der Wiener Universität. Hier wurde gelernt, gestritten, gelehrt und, im Jahr 1848, auch gekämpft.

Gegründet hat die Universität 1365 Herzog Rudolf der Vierte, genannt der Stifter, der auch den Stephansdom ausbauen ließ. Sie ist damit die älteste noch bestehende Universität im deutschsprachigen Raum. Und rund um diesen Platz lagen die Kollegien, Bursen und Hörsäle. Im siebzehnten Jahrhundert übernahmen die Jesuiten die Führung, und Kaiser Ferdinand der Zweite legte ihre Hochschule mit der Universität zusammen.

Jetzt geh in die Jesuitenkirche, wenn sie offen ist, und schau nach oben. Du siehst eine prachtvolle Kuppel, mit Säulen und Licht. Geh dann langsam ein paar Schritte weiter, und plötzlich verzieht sich alles. Die Kuppel gibt es nämlich gar nicht. Sie ist auf eine flache Decke gemalt, von Andrea Pozzo, einem Meister der Täuschung, der die Kirche Anfang des achtzehnten Jahrhunderts umgestaltete. Nur von einem bestimmten Punkt aus stimmt die Illusion perfekt.

Das Gebäude gegenüber ist die Alte Aula, um 1755 nach Plänen von Jean Nicolas Jadot gebaut, heute Sitz der Österreichischen Akademie der Wissenschaften. Im März 1848 war die Aula das Hauptquartier der revolutionären Studenten, der Akademischen Legion. Sie forderten Pressefreiheit, eine Verfassung und das Ende von Metternichs Polizeistaat, und für ein paar Monate schien alles möglich. Im Herbst schlug das kaiserliche Militär die Revolution nieder.

Erinnerst du dich an den Judenplatz? Die Steine der zerstörten Synagoge von 1421 wurden für den Bau der alten Universität verwendet. Das Wissen der Stadt wuchs buchstäblich auf den Trümmern ihrer jüdischen Gemeinde. Geh jetzt in die Schönlaterngasse, die gleich vom Platz abgeht. Sie schlängelt sich in einer sanften Kurve, und in einem ihrer Häuser wohnt ein Ungeheuer.

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