Palais Coburg: Die Familie, die Europas Throne erheiratete
Why is it significant?
Zum Schluss stehst du vor einem hellen, klassizistischen Palais, das hoch oben auf einem Stück alter Stadtmauer thront. Unter dir siehst du das Mauerwerk der Bastei, darüber Säulen, Terrassen und viel Weiß.
Key Facts
| Place | Palais Coburg: Die Familie, die Europas Throne erheiratete |
|---|---|
| Address | Coburgbastei 4, 1010 Wien, Austria |
| Geo Coordinates | 48.20590, 16.37670 |
| Part of Walk | Kaiserliches Wien: Hofburg, Heldenplatz und die Kapuzinergruft |
| Generated | Generated |
Zum Schluss stehst du vor einem hellen, klassizistischen Palais, das hoch oben auf einem Stück alter Stadtmauer thront. Unter dir siehst du das Mauerwerk der Bastei, darüber Säulen, Terrassen und viel Weiß. Das ist das Palais Coburg, und wo die Kaisergruft vom Ende einer Dynastie erzählt, erzählt dieses Haus von einer, die erst richtig loslegte.
Gebaut wurde es in den 1840er-Jahren für Prinz Ferdinand von Sachsen-Coburg und Gotha, der durch Heirat mit einer ungarischen Erbin, aus dem Haus Koháry, sehr reich geworden war. Er setzte sein Palais einfach auf die Braunbastei, mitten auf die Festungsmauer. Bei der Renovierung zu Beginn der Zweitausenderjahre wurden die alten Kasematten darunter wieder freigelegt. Du stehst also auf der Stadtmauer, die einst gegen die Osmanen gebaut wurde.
Und jetzt die Familie. Ferdinands Bruder Leopold wird 1831 der erste König der Belgier. Ferdinands Sohn heiratet die Königin von Portugal und wird dort König. Ein Neffe, Albert, wird der Ehemann von Queen Victoria. Und ein Enkel, Ferdinand, 1861 in Wien geboren, wird zuerst Fürst und 1908 Zar von Bulgarien. Bismarck soll die Coburger deshalb spöttisch das Gestüt Europas genannt haben.
Das ist besonders pikant, weil genau diese Kunst den Habsburgern zugeschrieben wird. Bella gerant alii, tu felix Austria nube, heißt der berühmte Spruch: Kriege mögen andere führen, du, glückliches Österreich, heirate. Die Habsburger haben ihr Reich erheiratet, und am Ende haben die Coburger sie in dieser Disziplin noch überholt.
Heute ist das Palais ein Hotel, aber 2015 hat es noch einmal Weltgeschichte gesehen. Hier wurde im Juli das Atomabkommen mit dem Iran ausverhandelt, wochenlang, mit Außenministern aus aller Welt. Zweihundert Jahre nach dem Wiener Kongress saß Europa also wieder in einem Wiener Palais und verhandelte bis tief in die Nacht. Damit endet unser Spaziergang: angefangen bei den Babenbergern an der Freyung, vorbei an Kronen, Särgen und einem Balkon, den keiner vergessen soll, bis hierher, auf die alte Stadtmauer. Die Kaiser sind fort, aber Wien empfängt die Welt noch immer.