Deutschordenshaus: Der Fußtritt, der Mozart frei machte
Why is it significant?
Geh durch das Tor in der Singerstraße und bleib im stillen Innenhof stehen: alte Mauern, hohe Fenster, eine kleine gotische Kirche, die sich fast versteckt. Mitten in der Innenstadt wird es hier auf einmal so leise, dass du die Tauben gurren hörst. Das ist das Haus des Deutschen Ordens, seit dem 13.
Key Facts
| Place | Deutschordenshaus: Der Fußtritt, der Mozart frei machte |
|---|---|
| Address | Singerstraße 7, 1010 Wien, Austria |
| Geo Coordinates | 48.20740, 16.37340 |
| Part of Walk | Wien klingt: Auf den Spuren von Mozart, Beethoven, Strauss und Schubert |
| Generated | Generated |
Geh durch das Tor in der Singerstraße und bleib im stillen Innenhof stehen: alte Mauern, hohe Fenster, eine kleine gotische Kirche, die sich fast versteckt. Mitten in der Innenstadt wird es hier auf einmal so leise, dass du die Tauben gurren hörst. Das ist das Haus des Deutschen Ordens, seit dem 13. Jahrhundert in Wien, und die Kirche ist der heiligen Elisabeth geweiht.
Im März 1781 kam ein fünfundzwanzigjähriger Musiker hier an, nicht als Star, sondern als Angestellter. Mozart stand im Dienst des Salzburger Fürsterzbischofs Hieronymus Colloredo, der mit seinem Hofstaat in diesem Haus Quartier bezogen hatte. Bei Tisch saß Mozart, wie er seinem Vater empört schrieb, unter den Kammerdienern, immerhin noch über den Köchen. Und das in einer Stadt, in der ihn der Adel in den Salons umschwärmte.
Der Streit eskalierte schnell. Colloredo untersagte ihm Auftritte, Mozart wollte kündigen, sein Gesuch wurde nicht angenommen. Am 8. Juni 1781 beförderte ihn Graf Arco, der Oberküchenmeister des Erzbischofs, buchstäblich zur Tür hinaus, mit einem Fußtritt. Mozart schrieb nach Hause, sinngemäß: Das Herz adelt den Menschen, und wenn er schon kein Graf sei, habe er vielleicht mehr Ehre im Leib als mancher Graf.
Und genau dieser Tritt war vielleicht das Beste, was ihm passieren konnte. Mozart blieb in Wien, als freier Künstler, ohne Dienstherrn und ohne festes Gehalt. Das war damals ein Wagnis, fast eine Unverschämtheit. Im Juli 1782 machte ihn die Entführung aus dem Serail in der ganzen Stadt berühmt, und wenige Wochen später heiratete er Constanze Weber im Stephansdom, gegen den Willen seines Vaters.
Das Haus hütet übrigens bis heute die Schatzkammer des Ordens, mit Pokalen, Münzen, Waffen und einer sogenannten Natternzungen-Kredenz, an der versteinerte Haifischzähne hängen, die angeblich Gift im Wein anzeigen sollten. Ob das je funktioniert hat? Lieber nicht ausprobieren. Geh jetzt die Singerstraße hinauf, über die Kärntner Straße und den Neuen Markt bis zum Lobkowitzplatz. Dort wartet der Fürst, der Beethoven bezahlt hat.