Haus der Musik: Die Geburtsstube der Wiener Philharmoniker
Why is it significant?
Schau dir die Fassade an der Seilerstätte an: ein elegantes klassizistisches Palais, das man leicht für ein Ministerium halten könnte. Doch drinnen ist alles anders.
Key Facts
| Place | Haus der Musik: Die Geburtsstube der Wiener Philharmoniker |
|---|---|
| Address | Seilerstätte 30, 1010 Wien, Austria |
| Geo Coordinates | 48.20380, 16.37320 |
| Part of Walk | Wien klingt: Auf den Spuren von Mozart, Beethoven, Strauss und Schubert |
| Generated | Generated |
Schau dir die Fassade an der Seilerstätte an: ein elegantes klassizistisches Palais, das man leicht für ein Ministerium halten könnte. Doch drinnen ist alles anders. Das Haus der Musik, eröffnet im Jahr 2000, ist ein Museum, in dem man Musik nicht nur anschaut, sondern hört, ertastet und manchmal selbst macht.
Im 19. Jahrhundert wohnte in diesem Haus ein Mann aus Königsberg, Otto Nicolai, Kapellmeister an der Hofoper am Kärntnertor. Ihn ärgerte, dass Wien großartige Musiker hatte, aber kein ordentliches Orchester, das regelmäßig Symphonien spielte. Also überredete er die Musiker der Oper, Konzerte auf eigene Rechnung und in eigener Verantwortung zu geben. Am 28. März 1842 spielten sie zum ersten Mal, im Großen Redoutensaal der Hofburg. Das gilt als Geburtsstunde der Wiener Philharmoniker. Nicolai selbst blieb nicht mehr lange: Er ging nach Berlin, wo im März 1849 seine Oper Die lustigen Weiber von Windsor uraufgeführt wurde, nur wenige Wochen vor seinem Tod.
Das Prinzip ist bis heute erstaunlich: Die Philharmoniker haben keinen Chefdirigenten. Sie verwalten sich selbst, wählen ihren Vorstand und laden ihre Dirigenten ein. Und wer mitspielen will, muss zuerst eine feste Stelle im Orchester der Wiener Staatsoper erspielen. Die Philharmoniker sind gewissermaßen der Verein, den diese Musikerinnen und Musiker neben ihrem Operndienst betreiben... vielleicht das berühmteste Freizeitorchester der Welt.
Zur Wahrheit gehört auch die dunkle Seite. Nach dem März 1938 wurden die jüdischen Mitglieder aus dem Orchester gedrängt, mehrere wurden ermordet, andere mussten fliehen. Das Orchester hat diese Geschichte erst spät offen aufarbeiten lassen. Und Frauen? Die erste Musikerin wurde 1997 aufgenommen, eine Harfenistin. Bis dahin wurde das reine Männerorchester gern als Teil der Wiener Klangtradition verteidigt.
Drinnen kannst du übrigens vor einem virtuellen Orchester selbst den Taktstock schwingen. Dirigierst du zu schlampig, hören die Musiker irgendwann auf zu spielen, und einer steht auf und beschwert sich. Ehrlicher kann Musikkritik nicht sein. Geh jetzt hinüber in die Johannesgasse und folge ihr über den Ring. Dort beginnt der Stadtpark, und dort glänzt jemand in Gold.