Würstelstand am Albertinaplatz
Why is it significant?
Folg deiner Nase über den Albertinaplatz, bis du vor einem kleinen Kiosk mit Glasfront stehst, aus dem es nach Gegrilltem, Senf und Bier riecht.
Key Facts
| Place | Würstelstand am Albertinaplatz |
|---|---|
| Address | Albertinaplatz, 1010 Wien, Austria |
| Geo Coordinates | 48.20390, 16.36900 |
| Part of Walk | Wien mit vollem Mund: Vom Schwedenplatz zum Naschmarkt |
| Generated | Generated |
Folg deiner Nase über den Albertinaplatz, bis du vor einem kleinen Kiosk mit Glasfront stehst, aus dem es nach Gegrilltem, Senf und Bier riecht. Nach Vorstellungsende stehen hier Menschen in Abendkleid und Smoking, frisch aus der Oper, neben Taxifahrern und Studenten, alle mit derselben Pappschale in der Hand.
Willkommen am Würstelstand, der vielleicht demokratischsten Institution Wiens. Hier gibt es keine Reservierung und keinen Dresscode, dafür eine eigene Sprache. Eine Eitrige ist eine Käsekrainer, aus der beim Anbeißen der Käse quillt. Eine Burenwurst heißt kurz eine Haaße, das Endstück vom Brot ist das Scherzl, und das Sechzehnerblech ist eine Dose Bier aus Ottakring, dem sechzehnten Bezirk. Süßen oder scharfen Senf musst du dazusagen, sonst entscheidet der Mann hinter der Theke.
Würstel aus der Hand gibt es in Wien schon lange, aber der feste Stand an der Straßenecke ist vor allem ein Kind des 20. Jahrhunderts. Man erzählt sich gern, dass nach dem Ersten Weltkrieg Kriegsversehrte bevorzugt eine Konzession für einen Würstelstand bekamen, damit sie sich ein Auskommen sichern konnten. Ob jeder Stand so entstanden ist, weiß niemand genau. Die Idee aber passt: eine warme Mahlzeit, schnell, günstig und für alle, mitten auf der Straße und bis spät in die Nacht.
Bevor du weitergehst, schau auf die Skulpturengruppe auf dem Platz, das Mahnmal gegen Krieg und Faschismus von Alfred Hrdlicka aus dem Jahr 1988. Eine der Figuren zeigt einen am Boden knienden Juden, der den Gehsteig schrubbt, so wie Wiener Jüdinnen und Juden nach dem Anschluss im März 1938 gezwungen wurden, die Straßen zu reiben, umringt von johlenden Zuschauern. An dieser Stelle stand außerdem der Philipphof, ein Wohnhaus, das im März 1945 bei einem Bombenangriff einstürzte und viele Menschen in seinem Luftschutzkeller begrub.
Der Würstelstand und das Mahnmal stehen nur ein paar Schritte voneinander entfernt, und auch das ist Wien. Geh nun an der Oper vorbei, über den Ring und die Operngasse hinunter, bis zur Ecke der Friedrichstraße. Dort liegt ein Kaffeehaus, das ein Architekt so radikal schlicht eingerichtet hat, dass die Wiener ihm einen bösen Spitznamen gaben.