Maria am Gestade: Die Kirche am Ufer
Why is it significant?
Schau hinauf zu diesem schmalen, hohen gotischen Turm. Oben trägt er keine gewöhnliche Spitze, sondern einen durchbrochenen Steinhelm, wie aus Stein geklöppelte Spitze, durch den der Himmel scheint. Darunter eine steile Fassade, die fast zu groß wirkt für den kleinen Platz.
Key Facts
| Place | Maria am Gestade: Die Kirche am Ufer |
|---|---|
| Address | Salvatorgasse 12, 1010 Wien, Austria |
| Geo Coordinates | 48.21290, 16.37070 |
| Part of Walk | Mittelalterliches Wien: Judenplatz, Bermudadreieck und verwinkelte Gassen |
| Generated | Generated |
Schau hinauf zu diesem schmalen, hohen gotischen Turm. Oben trägt er keine gewöhnliche Spitze, sondern einen durchbrochenen Steinhelm, wie aus Stein geklöppelte Spitze, durch den der Himmel scheint. Darunter eine steile Fassade, die fast zu groß wirkt für den kleinen Platz. Viele Wiener gehen jahrelang daran vorbei, ohne je hineinzuschauen. Das ist ein Fehler.
Der Name verrät, wo du stehst: Gestade heißt Ufer. Im Mittelalter fiel das Gelände hier steil zu einem Arm der Donau ab, und unten legten Schiffer und Fischer an. Für sie war diese Kirche gebaut. Der heutige Bau entstand im vierzehnten und frühen fünfzehnten Jahrhundert, über einer älteren Kirche, und er ist eines der schönsten gotischen Gotteshäuser der Stadt.
Wenn du hineingehst, merkst du etwas Seltsames: Das Langhaus ist nicht gerade. Es knickt leicht ab, weil die Baumeister sich nach dem schmalen Grundstück an der Hangkante richten mussten. Dazu kommt diese enorme Höhe bei so wenig Breite, sodass der Raum fast schwindelerregend nach oben zieht. Und das Licht fällt durch bunte Glasfenster, in denen noch mittelalterliche Scheiben stecken.
In einem Seitenaltar ruht ein Mann, der in Wien als Stadtpatron verehrt wird: Klemens Maria Hofbauer. Er kam aus Mähren, war zuerst Bäckerlehrling, wurde spät Priester und Redemptorist, und im Wien des frühen neunzehnten Jahrhunderts kümmerte er sich um Arme, Studenten und Künstler. 1909 wurde er heiliggesprochen, und seit 1914 ist er Patron der Stadt. Ein Bäckerlehrling als Stadtheiliger, das ist sehr wienerisch.
Gleich ums Eck, in der Wipplingerstraße, steht übrigens das Alte Rathaus, wo Wien vom Mittelalter bis 1883 regiert wurde. In seinem Hof plätschert der Andromedabrunnen von Georg Raphael Donner, eines der letzten Werke des großen Bildhauers. Hinter der Kirche fällt das Gelände bis heute sichtbar ab, und Treppen führen hinunter in die alte Uferzone. Geh jetzt eine dieser Treppen hinunter, zur ehemaligen Uferstraße, dem Salzgries, und dann nach Osten. Am Ende wartet auf einem kleinen Hügel die vielleicht älteste Kirche Wiens.