Hoher Markt und Ankeruhr: Zweitausend Jahre in einer Stunde
Why is it significant?
Schau hinauf zu der Brücke, die sich über die Gasse zwischen zwei Häusern spannt. Daran hängt eine große Uhr aus Kupfer und Bronze, und über ihr Zifferblatt ziehen langsam Figuren hinweg, eine nach der anderen. Das ist die Ankeruhr, und sie erzählt dir die Geschichte Wiens im Schritttempo.
Key Facts
| Place | Hoher Markt und Ankeruhr: Zweitausend Jahre in einer Stunde |
|---|---|
| Address | Hoher Markt 10-11, 1010 Wien, Austria |
| Geo Coordinates | 48.21080, 16.37310 |
| Part of Walk | Mittelalterliches Wien: Judenplatz, Bermudadreieck und verwinkelte Gassen |
| Generated | Generated |
Schau hinauf zu der Brücke, die sich über die Gasse zwischen zwei Häusern spannt. Daran hängt eine große Uhr aus Kupfer und Bronze, und über ihr Zifferblatt ziehen langsam Figuren hinweg, eine nach der anderen. Das ist die Ankeruhr, und sie erzählt dir die Geschichte Wiens im Schritttempo.
Der Hohe Markt ist vermutlich der älteste Platz der Stadt. Unter deinen Füßen lagen die Häuser der Offiziere des römischen Legionslagers Vindobona. Im Römermuseum hier am Platz kannst du ihre Mauern sehen und die Fußbodenheizung, mit der die Römer den Donauwinter erträglich machten. Die Überlieferung sagt sogar, Kaiser Mark Aurel sei im Jahr 180 in Vindobona gestorben. Ob es wirklich hier war oder anderswo an der Donau, ist umstritten.
Die Ankeruhr hat der Maler Franz Matsch zwischen 1911 und 1914 für die Anker-Versicherung entworfen, ein Meisterwerk des Jugendstils. Zwölf Figuren oder Paare ziehen nacheinander vorbei, jede eine Stunde lang: Mark Aurel, Karl der Große, die Babenberger, Walther von der Vogelweide, Rudolf von Habsburg, der Dombaumeister Puchsbaum, Maximilian, die Verteidiger von 1683, Prinz Eugen, Maria Theresia und am Ende Joseph Haydn. Und um zwölf Uhr mittags ziehen sie alle hintereinander vorbei, mit Musik. Dann drängen sich hier die Leute mit gezückten Handys, den Rest des Tages gehen die meisten unter der Uhr hindurch, ohne aufzuschauen.
Der Hohe Markt war im Mittelalter nicht nur Marktplatz, sondern auch Gerichtsort. Hier standen Pranger und Schandkäfig, und hier wurden Urteile vollstreckt. Im April 1945, in den letzten Kriegstagen, brannte der Platz fast völlig nieder. Was du heute siehst, ist zum großen Teil Wiederaufbau.
Nur der Brunnen in der Mitte hat überlebt: der Vermählungsbrunnen, nach Plänen von Joseph Emanuel Fischer von Erlach, mit der Hochzeit von Maria und Josef unter einem Baldachin. Eine Hochzeit auf dem Platz, wo früher geköpft wurde, das ist Wien. Geh jetzt die Judengasse hinunter, mitten durchs Bermudadreieck, und bieg dann in die Seitenstettengasse ein. Achte auf die Polizisten vor einem ganz gewöhnlichen Wohnhaus. Dort endet unser Spaziergang.