Lugeck und Regensburger Hof: Wie Wien reich wurde
Why is it significant?
Auf dem Lugeck steht ein Mann aus Bronze auf hohem Sockel und schaut ernst über den kleinen Platz. Es ist Johannes Gutenberg, der Erfinder des Buchdrucks mit beweglichen Lettern. Was hat ein Mainzer in Wien verloren?
Key Facts
| Place | Lugeck und Regensburger Hof: Wie Wien reich wurde |
|---|---|
| Address | Lugeck, 1010 Wien, Austria |
| Geo Coordinates | 48.20980, 16.37490 |
| Part of Walk | Mittelalterliches Wien: Judenplatz, Bermudadreieck und verwinkelte Gassen |
| Generated | Generated |
Auf dem Lugeck steht ein Mann aus Bronze auf hohem Sockel und schaut ernst über den kleinen Platz. Es ist Johannes Gutenberg, der Erfinder des Buchdrucks mit beweglichen Lettern. Was hat ein Mainzer in Wien verloren? Nicht viel, aber dieser Platz erzählt eine Geschichte über Handel, Wissen und eine Stadt, die sehr gut rechnen konnte.
Schon der Name ist rätselhaft. Lugeck könnte von lugen kommen, also schauen, und auf einen Ausguck hindeuten. Ganz sicher weiß das niemand. Sicher ist aber, wer hier im Mittelalter das Sagen hatte: die Kaufleute aus Regensburg. An der Ecke steht der Regensburger Hof, und sein Name erinnert an die Händler, die hier ihre Niederlassung hatten. Regensburg war damals eine der reichsten Handelsstädte an der Donau.
Und jetzt der Trick, der Wien reich gemacht hat. 1221 bekommt die Stadt von Herzog Leopold dem Sechsten ein Stadtrecht mit dem sogenannten Stapelrecht. Das heißt: Fremde Kaufleute dürfen mit ihren Waren nicht einfach weiter donauabwärts nach Ungarn fahren. Sie müssen hier abladen und ihre Ware Wiener Händlern anbieten. Die Regensburger, die bisher selbst bis nach Ungarn gehandelt hatten, mussten also in Wien verkaufen, und die Wiener verdienten am Weiterhandel. Ein Paragraf, der Gold wert war.
Gutenberg passt trotzdem hierher, denn der Buchdruck kam gegen Ende des fünfzehnten Jahrhunderts auch nach Wien, und mit ihm Flugblätter, Bücher und neue Ideen. Das Denkmal schuf Hans Bitterlich um 1900, derselbe Bildhauer, dessen Kaiserin Elisabeth im Volksgarten sitzt. Ein Mainzer Erfinder, von einem Wiener Bildhauer, auf einem Platz der Regensburger Kaufleute: mittelalterliche Globalisierung in Bronze.
Wenn du an den Fassaden ringsum hochschaust, siehst du Häuser, die über mittelalterlichen Kellern stehen. Unter der Wiener Altstadt liegen oft zwei, drei Stockwerke Gewölbe übereinander, voller Wein und alter Geschichten. Geh jetzt durch den Lichtensteg nach Westen. Er bringt dich zum ältesten Platz der Stadt, wo um die Mittagszeit die Geschichte über eine Brücke marschiert.