Votivkirche: Dank für einen gescheiterten Mordanschlag

Why is it significant?

Zwei filigrane Türme, fast hundert Meter hoch, heller Sandstein, Fialen, Wasserspeier, eine große Rosette... auf den ersten Blick denkst du, das muss eine mittelalterliche Kathedrale sein. Ist sie nicht.

Key Facts

PlaceVotivkirche: Dank für einen gescheiterten Mordanschlag
AddressRooseveltplatz 8, 1090 Wien, Austria
Geo Coordinates48.21540, 16.35910
Part of WalkFreud, Forscher und der Narrenturm: Wiens Wissenschaftsviertel Alsergrund
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Zwei filigrane Türme, fast hundert Meter hoch, heller Sandstein, Fialen, Wasserspeier, eine große Rosette... auf den ersten Blick denkst du, das muss eine mittelalterliche Kathedrale sein. Ist sie nicht. Die Votivkirche wurde erst 1879 geweiht, sie ist jünger als die Eisenbahn in Wien, und sie ist ein Dankeschön mit politischem Hintergedanken.

Am 18. Februar 1853 ging der junge Kaiser Franz Joseph auf der Stadtbefestigung spazieren, nicht weit von hier. Ein ungarischer Schneidergeselle, János Libényi, stach von hinten mit einem Messer nach seinem Hals. Der steife, hohe Uniformkragen lenkte die Klinge ab, der Kaiser wurde verletzt, aber er überlebte. Sein Adjutant Graf O'Donnell und ein Wiener Bürger, der Selcher Joseph Ettenreich, überwältigten den Attentäter. Libényi wurde wenige Tage später hingerichtet.

Kaum war der Schreck vorbei, rief Erzherzog Ferdinand Maximilian, der jüngere Bruder des Kaisers, zu Spenden für eine Dankeskirche auf. Rund dreihunderttausend Menschen aus dem ganzen Reich sollen gespendet haben. Den Wettbewerb gewann ein junger Architekt Mitte zwanzig, Heinrich von Ferstel, der später die Universität gleich nebenan baute. Und Ferdinand Maximilian? Er wurde Kaiser von Mexiko und 1867 dort erschossen.

Geweiht wurde die Kirche zur Silberhochzeit von Franz Joseph und Elisabeth. Gedacht war sie als Kirche für die Soldaten der Garnison und zugleich als eine Art Ruhmeshalle für die Großen Österreichs. Drinnen steht das prachtvolle Renaissance-Grabmal von Niklas Graf Salm, der Wien 1529 gegen das osmanische Heer verteidigte. Ein Kunstwerk aus dem 16. Jahrhundert, umgezogen in eine Kirche aus dem 19... typisch Wien. Viele der originalen bunten Glasfenster gingen im Zweiten Weltkrieg verloren, und die Restaurierung des Sandsteins ist bis heute eine Daueraufgabe.

Der Park vor der Kirche trägt heute den Namen Sigmund-Freud-Park, und an warmen Tagen liegen hier mehr Studierende in der Wiese, als in den Hörsälen sitzen. Freud selbst wohnte nur ein paar hundert Meter entfernt. Geh nach Norden, Richtung Berggasse, die leicht zum Donaukanal hin abfällt. Bei Nummer 19 bleibst du stehen.

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