Mölker Bastei: Das letzte Stück Stadtmauer
Why is it significant?
Steig die paar Stufen hinauf auf die Mölker Bastei und lehn dich ans Geländer. Unter dir rauscht der Verkehr über den Ring, gegenüber steht die Universität, und du stehst ein paar Meter höher als alle anderen. Genau das war der Sinn dieser Mauer: oben sein, wenn unten der Feind steht.
Key Facts
| Place | Mölker Bastei: Das letzte Stück Stadtmauer |
|---|---|
| Address | Mölker Bastei 8, 1010 Wien, Austria |
| Geo Coordinates | 48.21260, 16.36190 |
| Part of Walk | Mittelalterliches Wien: Judenplatz, Bermudadreieck und verwinkelte Gassen |
| Generated | Generated |
Steig die paar Stufen hinauf auf die Mölker Bastei und lehn dich ans Geländer. Unter dir rauscht der Verkehr über den Ring, gegenüber steht die Universität, und du stehst ein paar Meter höher als alle anderen. Genau das war der Sinn dieser Mauer: oben sein, wenn unten der Feind steht. Wer vom Ring aus hinaufschaut, spürt noch heute die Höhe, die einst jedem Angreifer den Mut nehmen sollte.
Du stehst auf einem der letzten Reste der Wiener Stadtbefestigung. Die mittelalterliche Mauer war nach der ersten Türkenbelagerung von 1529 hoffnungslos veraltet, also baute man sie zu einem Ring aus mächtigen Basteien aus, mit Wassergraben und freiem Schussfeld davor. Diese hier heißt nach dem Melker Hof, dem Stadthaus des Stiftes Melk, das gleich in der Nähe steht.
1683 kommt das osmanische Heer ein zweites Mal, unter dem Großwesir Kara Mustafa. Zwei Monate lang wird Wien belagert, beschossen und untergraben. Die schwersten Kämpfe toben nur ein paar Hundert Meter südlich von hier, an der Burg- und der Löwelbastei. Die Stadt ist am Ende ihrer Kräfte, als am 12. September 1683 das Entsatzheer vom Kahlenberg herunterkommt. Die Mauer hat gehalten, gerade noch.
Und dann, an Weihnachten 1857, veröffentlicht Kaiser Franz Joseph einen Erlass: Die Mauern kommen weg. An ihrer Stelle entsteht die Ringstraße. Fast die ganze Befestigung verschwindet, aber dieses Stück überlebt, weil längst Häuser darauf gebaut waren. Im Pasqualatihaus, Nummer acht, wohnte Beethoven mehrere Jahre lang, mit Blick über das Glacis. Und das zierliche Biedermeierhaus nebenan heißt Dreimäderlhaus, nach einer Legende über Schubert und drei Schwestern, die eine Operette später berühmt machte.
Merk dir dieses Gefühl, auf der Mauer zu stehen. Ab jetzt gehen wir hinein, in das, was diese Mauer jahrhundertelang beschützt hat. Geh die Schreyvogelgasse hinunter, über die Freyung und durch die kurze Gasse Heidenschuss. Schau dort an der Hausecke hinauf: Da reitet ein osmanischer Krieger, eine Erinnerung an die Belagerung. Dahinter öffnet sich Am Hof.