Universität Wien: Der Arkadenhof der Köpfe

Why is it significant?

Vor dir, am Ring, steht ein gewaltiger Palast der Neorenaissance, mit Freitreppe, Auffahrtsrampen und einer Fassade, die eher nach Florenz als nach Hörsaal aussieht. Studierende sitzen auf den Stufen, Fahrräder lehnen am Gitter.

Key Facts

PlaceUniversität Wien: Der Arkadenhof der Köpfe
AddressUniversitätsring 1, 1010 Wien, Austria
Geo Coordinates48.21310, 16.36070
Part of WalkFreud, Forscher und der Narrenturm: Wiens Wissenschaftsviertel Alsergrund
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Vor dir, am Ring, steht ein gewaltiger Palast der Neorenaissance, mit Freitreppe, Auffahrtsrampen und einer Fassade, die eher nach Florenz als nach Hörsaal aussieht. Studierende sitzen auf den Stufen, Fahrräder lehnen am Gitter. Geh durch den Haupteingang hinein und weiter in den großen Innenhof mit den Bogengängen: den Arkadenhof.

Die Universität Wien ist die älteste Universität im heutigen deutschen Sprachraum, gegründet 1365 von Herzog Rudolf dem Vierten. Dieses Gebäude ist aber vergleichsweise jung: Heinrich von Ferstel hat es entworfen, eröffnet wurde es 1884. In den Arkaden rundherum stehen weit über hundert Büsten und Gedenktafeln für Mediziner, Physiker, Juristen und Philosophen. Eine Ruhmeshalle der Wiener Wissenschaft, im Kreis aufgestellt. Dass der Bau so prächtig ausfiel, hat auch mit 1848 zu tun: Nachdem Studenten auf den Barrikaden gestanden hatten, wurde das alte Universitätsgebäude in der Innenstadt geschlossen, und die Fakultäten waren jahrzehntelang über die Stadt verstreut.

Unter ihnen steht Sigmund Freud. Sein Biograf Ernest Jones erzählt, Freud habe schon als junger Student davon geträumt, eines Tages hier mit einer Büste geehrt zu werden, mit einer Zeile aus dem König Ödipus des Sophokles darunter, über den Mann, der das berühmte Rätsel löste. 1955 wurde genau so eine Büste aufgestellt, mit genau dieser Inschrift. Freud war da schon sechzehn Jahre tot, gestorben im Exil in London.

Lange fehlte in diesem Hof die Hälfte der Menschheit. Frauen durften erst ab 1897 an der Philosophischen Fakultät studieren, ab 1900 Medizin. Die Romanistin Elise Richter habilitierte sich hier als erste Frau, 1943 kam sie im Ghetto Theresienstadt ums Leben. Jahrzehntelang war unter all den Männern nur eine einzige Frau mit einer Tafel geehrt, die Dichterin Marie von Ebner-Eschenbach. Erst 2016 kamen Denkmäler für bedeutende Wissenschaftlerinnen dazu, unter ihnen die Physikerin Lise Meitner.

Wenn du wieder hinausgehst, schau schräg nach links hinüber, wo zwei schlanke Türme in den Himmel stechen. Sie gehören zu einer Kirche, die es ohne einen Mordanschlag nie gegeben hätte, und sie stammt vom selben Architekten wie dieses Haus. Überquere die Universitätsstraße, und du stehst davor.

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