Josephinum: Wachsmenschen für die Militärchirurgen
Why is it significant?
Hinter einem Gitter und einem kleinen Ehrenhof steht ein nüchterner, eleganter Bau aus dem späten 18. Jahrhundert, zurückhaltend, fast kühl. Das ist das Josephinum, und es hütet eine der seltsamsten und schönsten Sammlungen Wiens.
Key Facts
| Place | Josephinum: Wachsmenschen für die Militärchirurgen |
|---|---|
| Address | Währinger Straße 25, 1090 Wien, Austria |
| Geo Coordinates | 48.21950, 16.35630 |
| Part of Walk | Freud, Forscher und der Narrenturm: Wiens Wissenschaftsviertel Alsergrund |
| Generated | Generated |
Hinter einem Gitter und einem kleinen Ehrenhof steht ein nüchterner, eleganter Bau aus dem späten 18. Jahrhundert, zurückhaltend, fast kühl. Das ist das Josephinum, und es hütet eine der seltsamsten und schönsten Sammlungen Wiens. Doch zuerst die Frage: Warum baut ein Kaiser eine Schule für Chirurgen?
Joseph der Zweite, der Sohn Maria Theresias, war ein Reformer mit wenig Geduld, der gern inkognito unter dem Namen Graf Falkenstein reiste, um sich selbst ein Bild zu machen. In den Feldzügen seiner Zeit starben Soldaten massenhaft an Seuchen und schlecht versorgten Wunden, und die Wundärzte hatten ihr Fach oft eher als Handwerk gelernt denn studiert. Also gründete er 1785 die medizinisch-chirurgische Josephs-Akademie, gebaut nach Plänen von Isidor Canevale, um Militärärzte wissenschaftlich auszubilden. Chirurgie sollte hier vom Handwerk zur Wissenschaft werden.
Und dann die Wachsmodelle. Joseph hatte in Florenz die anatomischen Wachsfiguren gesehen, die dort für das naturkundliche Museum entstanden, und war begeistert. Er bestellte eine ganze Sammlung, weit über tausend Stücke, gefertigt in Florenz unter der Leitung von Felice Fontana und Paolo Mascagni, modelliert unter anderem von Clemente Susini. Der Überlieferung nach trugen Maultiere die zerbrechliche Fracht über die Alpen.
Viele Figuren stehen noch in ihren originalen Vitrinen aus edlem Holz und venezianischem Glas. Am berühmtesten ist eine liegende Frauenfigur, die sogenannte Mediceische Venus, die sich Schicht für Schicht öffnen lässt, bis zu den inneren Organen. Sie trägt eine Perlenkette, hat echtes Haar und liegt da, als würde sie gleich aufwachen. Lehrmittel, Kunstwerk und ein bisschen unheimlich, alles zugleich.
Das Josephinum gehört heute zur Medizinischen Universität Wien und wurde vor wenigen Jahren aufwendig renoviert. Es erzählt auch von der Wiener Medizinischen Schule, die die Stadt im 19. Jahrhundert weltberühmt machte. Geh nun ein Stück die Währinger Straße hinunter und dann rechts zum Gelände des alten Allgemeinen Krankenhauses. Hinter seinen Mauern steht ein runder Turm mit einem Namen, der heute grausam klingt.