Berggasse 19: Sigmund Freuds Wohnung und Praxis

Why is it significant?

Schau dir das Haus Berggasse 19 an: ein ganz gewöhnliches Wiener Zinshaus aus dem 19. Jahrhundert, grau, ordentlich, ohne jede Pracht. Nichts verrät, dass hinter diesen Fenstern eine der folgenreichsten Ideen des 20. Jahrhunderts entstanden ist.

Key Facts

PlaceBerggasse 19: Sigmund Freuds Wohnung und Praxis
AddressBerggasse 19, 1090 Wien, Austria
Geo Coordinates48.21870, 16.36310
Part of WalkFreud, Forscher und der Narrenturm: Wiens Wissenschaftsviertel Alsergrund
GeneratedGenerated

Open the walk

Schau dir das Haus Berggasse 19 an: ein ganz gewöhnliches Wiener Zinshaus aus dem 19. Jahrhundert, grau, ordentlich, ohne jede Pracht. Nichts verrät, dass hinter diesen Fenstern eine der folgenreichsten Ideen des 20. Jahrhunderts entstanden ist. Siebenundvierzig Jahre lang, von 1891 bis 1938, lebte und arbeitete hier Sigmund Freud.

Wohnung und Praxis lagen im selben Haus, gleich nebeneinander. Auf der einen Seite die Familie, mit sechs Kindern, Ehefrau Martha und Schwägerin Minna. Auf der anderen Seite Wartezimmer, Behandlungsraum und Arbeitszimmer. Hier stand die berühmte Couch, hier saß Freud dahinter, unsichtbar für seine Patientinnen und Patienten, und hörte zu. Hier schrieb er die Traumdeutung, die im November 1899 erschien, vom Verlag aber auf 1900 datiert, als wollte das Buch gleich ein neues Jahrhundert eröffnen.

Im März 1938 marschierte die Wehrmacht in Österreich ein, und für die Familie Freud begann die Verfolgung. Die Wohnung wurde durchsucht, die Gestapo verhörte Tochter Anna einen ganzen Tag lang. Freud, schwer krebskrank und über achtzig, wollte lange nicht gehen. Erst mit internationaler Hilfe, unter anderem von Marie Bonaparte, und nach Zahlung der sogenannten Reichsfluchtsteuer konnte er am 4. Juni 1938 ausreisen, über Paris nach London. Dort starb er im September 1939.

Seine vier Schwestern blieben in Wien zurück. Sie wurden 1942 deportiert und ermordet. Bevor die Familie die Räume verließ, fotografierte Edmund Engelman unauffällig jedes Zimmer, jeden Schrank, die vielen antiken Figuren auf Freuds Schreibtisch. Diese Bilder sind der Grund, warum wir heute so genau wissen, wie es hier aussah.

Die Couch steht übrigens nicht hier, sondern in London, im Freud Museum in Hampstead. Das Wiener Museum, 1971 eröffnet und 2020 umfassend erneuert, zeigt ganz bewusst auch die Leere der Räume, das, was fehlt. Geh jetzt die Berggasse weiter hinunter Richtung Donaukanal. Am Ende wartet ein Backsteinriese mit einer Wiener Legende, die man nicht ganz ernst nehmen sollte.

Nearby stories