Strudlhofstiege: Doderers Jugendstil-Treppe

Why is it significant?

Vor dir steigt eine Treppe in mehreren Schwüngen den Hang hinauf, mit Rampen, Brunnenschalen, schmiedeeisernen Laternen und Absätzen, auf denen man unwillkürlich stehen bleibt. Eigentlich verbindet sie nur zwei Straßen, die untere Liechtensteinstraße und die obere Strudlhofgasse.

Key Facts

PlaceStrudlhofstiege: Doderers Jugendstil-Treppe
AddressStrudlhofgasse / Liechtensteinstraße, 1090 Wien, Austria
Geo Coordinates48.22230, 16.35800
Part of WalkFreud, Forscher und der Narrenturm: Wiens Wissenschaftsviertel Alsergrund
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Vor dir steigt eine Treppe in mehreren Schwüngen den Hang hinauf, mit Rampen, Brunnenschalen, schmiedeeisernen Laternen und Absätzen, auf denen man unwillkürlich stehen bleibt. Eigentlich verbindet sie nur zwei Straßen, die untere Liechtensteinstraße und die obere Strudlhofgasse. Aber selten hat jemand eine Abkürzung so schön gebaut.

Die Strudlhofstiege wurde 1910 eröffnet, entworfen von Johann Theodor Jaksch, mitten in der Blütezeit des Wiener Jugendstils. Vorher gab es hier nur einen steilen Hang. Den Namen hat sie vom Strudlhof, dem Anwesen des Barockmalers Peter Strudel, der hier um 1700 eine private Malerakademie betrieb, eine Vorläuferin der Wiener Kunstakademie. Die Stadt wollte das tiefer gelegene Viertel an der Liechtensteinstraße mit dem Plateau oben verbinden, wo rund um die Kliniken und Institute der Universität eine kleine Wissenschaftsstadt wuchs. Herausgekommen ist ein Bühnenbild aus Stein, das man auf jeder Stufe neu erlebt.

Berühmt gemacht hat sie aber ein Buch. Heimito von Doderer veröffentlichte 1951 seinen großen Roman Die Strudlhofstiege, ein Gewebe aus Dutzenden Figuren und Jahrzehnten Wiener Lebens, viele hundert Seiten dick. Die Treppe ist darin der Ort, an dem sich Schicksale kreuzen, an dem Menschen sich begegnen, verfehlen und erinnern. Ein Gedicht Doderers über die Stiege ist auf einer Tafel verewigt, und seit dem Roman ist sie für viele Wiener ein literarischer Wallfahrtsort.

Doderer selbst ist ein schwieriger Held. Er trat 1933 der NSDAP bei, die in Österreich bald darauf verboten wurde, distanzierte sich später davon und schrieb nach dem Krieg die großen Wien-Romane, die ihn berühmt machten. Diese Zwiespältigkeit gehört zu ihm wie die Treppe zu seinem Buch, und wer hier steht, darf beides im Kopf behalten, die Bewunderung und das Unbehagen.

Für einen Spaziergang durch die Wissenschaft ist dieser Ort perfekt, denn oben beginnt das Viertel der Physiker. Steig hinauf, folge der Strudlhofgasse ein paar Schritte und biege in die Boltzmanngasse ein. Sie trägt den Namen eines Mannes, der die Welt aus Atomen erklärte, als viele noch gar nicht an sie glaubten.

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