Boltzmanngasse: Das Wiener Institut für Radiumforschung

Why is it significant?

Du stehst in einer ruhigen Gasse mit ernsten Institutsgebäuden aus der Zeit um 1900, Fahrräder davor, ein paar Studierende mit Rucksäcken. Hier wird seit über hundert Jahren Physik betrieben.

Key Facts

PlaceBoltzmanngasse: Das Wiener Institut für Radiumforschung
AddressBoltzmanngasse 3, 1090 Wien, Austria
Geo Coordinates48.22130, 16.35640
Part of WalkFreud, Forscher und der Narrenturm: Wiens Wissenschaftsviertel Alsergrund
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Du stehst in einer ruhigen Gasse mit ernsten Institutsgebäuden aus der Zeit um 1900, Fahrräder davor, ein paar Studierende mit Rucksäcken. Hier wird seit über hundert Jahren Physik betrieben. Und das Haus Nummer 3 war einmal einer der aufregendsten Orte der Wissenschaft: das Institut für Radiumforschung, eröffnet 1910.

Die Gasse ist nach Ludwig Boltzmann benannt, dem Wiener Physiker, der zeigte, dass sich Wärme und Entropie aus dem statistischen Verhalten unzähliger Atome erklären lassen. Viele Zeitgenossen hielten Atome damals für eine bloße Rechenhilfe und stritten erbittert mit ihm. Boltzmann nahm sich 1906 im Urlaub bei Triest das Leben. Wenige Jahre später bestätigten Experimente, dass er recht gehabt hatte. Seine berühmte Entropieformel steht heute auf seinem Grabstein am Zentralfriedhof.

Das Radiuminstitut entstand, weil Österreich etwas besaß, das alle wollten: Uranerz. Aus den Rückständen der Bergwerke von Sankt Joachimsthal in Böhmen hatten Marie und Pierre Curie in Paris das Radium gewonnen. Der Wiener Jurist und Industrielle Karl Kupelwieser stiftete das Geld für ein eigenes Institut, und unter Stefan Meyer wurde Wien zu einem Zentrum der Radioaktivitätsforschung. Wien lieh sogar Ernest Rutherford in England Radium für seine Experimente.

Bemerkenswert war, wie viele Frauen hier forschten, zu einer Zeit, als das anderswo kaum vorstellbar war. Marietta Blau entwickelte eine Methode, die Spuren von Teilchen auf Fotoplatten sichtbar zu machen, und entdeckte 1937 mit Hertha Wambacher die sogenannten Zertrümmerungssterne. 1938 musste Blau als Jüdin ins Exil, auch Stefan Meyer verlor sein Amt. Berta Karlik blieb und wurde 1956 die erste ordentliche Professorin der Universität Wien.

Und die Linie reicht bis heute: In dieser Gasse forschte auch Anton Zeilinger, der 2022 den Nobelpreis für Physik erhielt, für Experimente mit verschränkten Lichtteilchen. Von Boltzmanns Atomen bis zur Quantenphysik, alles in einer kurzen Gasse. Geh jetzt hinunter zur Währinger Straße. Dort steht ein strenger, klassizistischer Bau, in dem dich Menschen aus Wachs erwarten, ohne Haut.

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