Roßauer Kaserne: Die Burg gegen die eigene Stadt

Why is it significant?

Vor dir erhebt sich eine Festung aus rotem Ziegel, mit Zinnen, Türmchen und wuchtigen Toren, als hätte jemand eine englische Ritterburg an den Donaukanal gestellt. Die Roßauer Kaserne füllt einen ganzen Häuserblock, und sie sieht aus, als wolle sie jemanden abwehren. Die Frage ist nur: wen?

Key Facts

PlaceRoßauer Kaserne: Die Burg gegen die eigene Stadt
AddressRoßauer Lände 1, 1090 Wien, Austria
Geo Coordinates48.21790, 16.36580
Part of WalkFreud, Forscher und der Narrenturm: Wiens Wissenschaftsviertel Alsergrund
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Vor dir erhebt sich eine Festung aus rotem Ziegel, mit Zinnen, Türmchen und wuchtigen Toren, als hätte jemand eine englische Ritterburg an den Donaukanal gestellt. Die Roßauer Kaserne füllt einen ganzen Häuserblock, und sie sieht aus, als wolle sie jemanden abwehren. Die Frage ist nur: wen?

Die Antwort lautet: die Wiener selbst. Im Revolutionsjahr 1848 hatten Studenten, Arbeiter und Bürger die Stadt monatelang in Atem gehalten, der Hof floh, und erst die Armee schlug den Aufstand im Oktober blutig nieder. Danach entstand ein Ring aus militärischen Bauten rund um die Innenstadt: das Arsenal im Süden, die Franz-Joseph-Kaserne am Stubenring und, in den 1860er Jahren, diese hier im Norden. Truppen sollten schnell überall sein können, falls das Volk noch einmal aufbegehrte.

Und dann ist da die Legende, die man sich in Wien gern erzählt: Die Architekten hätten beim Planen die Toiletten vergessen, und einer von ihnen habe sich deshalb aus Scham das Leben genommen. Historiker halten das für eine Erfindung, belegt ist davon nichts. Aber die Geschichte hält sich hartnäckig, vielleicht weil sie so gut zu einem Gebäude passt, das mehr an Eindruck als an die Menschen darin gedacht hat.

Der Ort selbst ist viel älter als die Kaserne. Die Rossau, das Viertel zwischen Alsergrund und Donaukanal, verdankt ihren Namen nach der gängigen Erklärung den Pferden, den Rössern, die an den Donauauen lebten und Schiffe stromaufwärts zogen. Später kamen Holzplätze, Fischer und Wäscherinnen. Das Wort Au erinnert daran, dass hier einmal Auwald und Wasser war, lange bevor die Donau reguliert und der Kanal eingefasst wurde.

Heute sitzt in der Kaserne das österreichische Verteidigungsministerium, und aus der Drohkulisse gegen die eigene Stadt ist ein Amtsgebäude geworden. Geh nun ein Stück zurück ins Viertel hinein, in die Servitengasse, eine der hübschesten kleinen Gassen im neunten Bezirk. An ihrem Ende siehst du eine helle Barockkirche mit zwei Türmen.

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