Narrenturm: Der runde Turm Josephs II.

Why is it significant?

Zwischen Bäumen am Rand eines stillen Hofs steht ein Gebäude, das aussieht wie nichts anderes in Wien: ein runder, fünfgeschoßiger Turm, grau verputzt, mit lauter kleinen, gleichförmigen Fenstern. Die Wiener nennen ihn wegen seiner Form gern den Guglhupf.

Key Facts

PlaceNarrenturm: Der runde Turm Josephs II.
AddressSpitalgasse 2, 1090 Wien, Austria
Geo Coordinates48.21860, 16.35320
Part of WalkFreud, Forscher und der Narrenturm: Wiens Wissenschaftsviertel Alsergrund
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Zwischen Bäumen am Rand eines stillen Hofs steht ein Gebäude, das aussieht wie nichts anderes in Wien: ein runder, fünfgeschoßiger Turm, grau verputzt, mit lauter kleinen, gleichförmigen Fenstern. Die Wiener nennen ihn wegen seiner Form gern den Guglhupf. Sein eigentlicher Name ist härter: Narrenturm.

1784 ließ Joseph der Zweite ihn gemeinsam mit dem neuen Allgemeinen Krankenhaus errichten, ebenfalls nach Plänen, die Isidor Canevale zugeschrieben werden. Es war eine der ersten Anstalten in Europa, die ausschließlich für psychisch Kranke gebaut wurde. Das klingt fortschrittlich, und für die damalige Zeit war es das auch: Statt in Gefängnissen oder Armenhäusern lebten die Kranken in einem eigenen Haus unter ärztlicher Aufsicht. Aber wer die Zellen sieht, versteht, was Fortschritt im 18. Jahrhundert bedeutete.

Auf fünf Stockwerken liegen fast 140 Zellen im Kreis, jede mit einem schmalen Fenster nach außen und einer Tür zum ringförmigen Gang. Viele Kranke wurden an Ketten gehalten, und Heilung im heutigen Sinn gab es kaum. Der Turm war Verwahrung mehr als Therapie. Und doch steht er am Anfang einer Entwicklung, die Wien ein Jahrhundert später zur Hauptstadt der Psychiatrie und der Psychoanalyse machte.

Um den Turm ranken sich Legenden. Joseph soll sich für Alchemie und Freimaurerei interessiert haben, und manche lesen in der Rundform, der Zahl der Zellen und dem Blitzableiter auf dem Dach geheime Symbole. Belegen lässt sich davon wenig. Sicher ist: Als Spital für psychisch Kranke wurde der Turm 1869 aufgegeben, danach diente er unter anderem als Unterkunft für Personal und als Lager.

Seit 1971 beherbergt der Narrenturm die Pathologisch-anatomische Sammlung, eine der größten ihrer Art, mit Präparaten, Moulagen und Skeletten aus mehr als zwei Jahrhunderten Medizingeschichte. Seit 2012 gehört sie zum Naturhistorischen Museum. Ein Ort, der Menschen einmal weggesperrt hat, dient heute dazu, Krankheiten zu verstehen. Geh jetzt durch die Höfe des alten Krankenhauses nach Süden, Richtung Alser Straße, bis zum großen ersten Hof.

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