Altes AKH: Semmelweis und das Händewaschen

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Du stehst im großen ersten Hof des Alten AKH, unter hohen Bäumen, umgeben von langen, niedrigen Trakten, in denen heute Hörsäle, Institute und Lokale liegen. Studierende radeln vorbei, im Sommer sitzen die Leute draußen im Schatten.

Key Facts

PlaceAltes AKH: Semmelweis und das Händewaschen
AddressAlser Straße 4, 1090 Wien, Austria
Geo Coordinates48.21510, 16.35140
Part of WalkFreud, Forscher und der Narrenturm: Wiens Wissenschaftsviertel Alsergrund
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Du stehst im großen ersten Hof des Alten AKH, unter hohen Bäumen, umgeben von langen, niedrigen Trakten, in denen heute Hörsäle, Institute und Lokale liegen. Studierende radeln vorbei, im Sommer sitzen die Leute draußen im Schatten. Kaum zu glauben, dass hier einmal eines der größten Krankenhäuser Europas stand.

Joseph der Zweite eröffnete das Allgemeine Krankenhaus 1784, umgebaut aus einem riesigen Armenhaus, mit rund zweitausend Betten. Hier entstand im 19. Jahrhundert die Wiener Medizinische Schule, mit Ärzten wie Carl von Rokitansky, der Krankheiten an Zehntausenden Obduktionen studierte, und Joseph Škoda, der das Abklopfen und Abhören von Herz und Lunge zur Methode machte. Auch ein junger Arzt namens Sigmund Freud arbeitete hier in den 1880er Jahren, bevor er seine eigene Praxis eröffnete.

Und hier erlebte ein Arzt aus Ungarn seine größte Entdeckung und seine größte Niederlage. Ignaz Semmelweis arbeitete ab 1846 an der Ersten Geburtshilflichen Klinik. Dort starben viel mehr Mütter am Kindbettfieber als an der Zweiten Klinik, an der Hebammen ausgebildet wurden. Frauen flehten, nicht in die erste aufgenommen zu werden, manche brachten ihr Kind lieber auf dem Weg ins Spital auf der Straße zur Welt.

Die Lösung kam durch einen Todesfall. 1847 starb sein Kollege Jakob Kolletschka, nachdem er sich bei einer Leichenöffnung mit dem Messer verletzt hatte, und seine Krankheit glich dem Kindbettfieber. Semmelweis begriff: Ärzte und Studenten kamen direkt aus dem Seziersaal zu den Gebärenden und trugen etwas an ihren Händen mit. Er ließ sie die Hände in Chlorkalklösung waschen, und die Sterblichkeit fiel innerhalb weniger Monate auf rund ein bis zwei Prozent.

Doch viele Kollegen wollten nicht hören, dass ausgerechnet sie die Krankheit übertrugen. Semmelweis verlor seine Stelle, ging nach Pest und starb 1865 in einer Wiener Anstalt, vermutlich an einer Blutvergiftung. Heute nennt man ihn den Retter der Mütter. Und so endet dieser Weg dort, wo Wien Wissenschaft immer wieder gemacht hat: zwischen einer genialen Idee und dem Widerstand, sie anzunehmen. Von Freuds Couch bis zu Semmelweis' Waschschüssel... und bis zur Straßenbahn an der Alser Straße sind es nur ein paar Schritte.

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