Zattere und Gesuati: Tiepolo, bevor er nach Würzburg ging
Why is it significant?
Lehn dich ans Geländer der Zattere und lass dir die Sonne ins Gesicht scheinen. Vor dir liegt der breite Giudecca-Kanal mit Fähren, Frachtern und Ruderbooten, gegenüber die Insel Giudecca mit der weißen Kuppel von Palladios Redentore.
Key Facts
| Place | Zattere und Gesuati: Tiepolo, bevor er nach Würzburg ging |
|---|---|
| Address | Fondamenta Zattere ai Gesuati, Dorsoduro, 30123 Venezia VE, Italy |
| Geo Coordinates | 45.42950, 12.32730 |
| Part of Walk | Venedig, Dorsoduro: Kunst von Tizian bis Peggy Guggenheim, Tiepolo und die Zattere |
| Generated | Generated |
Lehn dich ans Geländer der Zattere und lass dir die Sonne ins Gesicht scheinen. Vor dir liegt der breite Giudecca-Kanal mit Fähren, Frachtern und Ruderbooten, gegenüber die Insel Giudecca mit der weißen Kuppel von Palladios Redentore. Zattere heißt Flöße: Hier legten einst die Holzflöße aus den Bergen an. An Sommerabenden sitzen hier die Venezianer auf den Stufen am Wasser, ein Eis in der Hand, und schauen den Schiffen nach. Und hinter dir steht, mit einer Fassade wie ein antiker Tempel, die Kirche der Gesuati.
Nicht zu verwechseln mit den Gesuiti, den Jesuiten! Die Gesuati waren ein kleiner Orden, den der Papst 1668 auflöste. Ihr Kloster übernahmen die Dominikaner, und die ließen von 1726 bis 1736 von Giorgio Massari diese Kirche bauen, Santa Maria del Rosario. Für die Decke holten sie den besten Freskomaler, den die Stadt hatte: Giambattista Tiepolo.
Wenn die Kirche offen ist, geh hinein und schau nach oben. Zwischen 1737 und 1739 malte Tiepolo hier die Einsetzung des Rosenkranzes: Der heilige Dominikus verteilt die Gebetsschnüre, Engel stürzen aus dem Licht herab, und am Rand kippen Sünder und Ketzer buchstäblich aus dem Bild, ihre Glieder hängen über den gemalten Rahmen. Tiepolo spielt mit der Decke, als wäre sie ein Fenster in den Himmel.
Und jetzt der deutsche Faden. Gut zehn Jahre später, Ende 1750, reiste Tiepolo mit seinen Söhnen über die Alpen nach Würzburg. Fürstbischof Karl Philipp von Greiffenclau hatte ihn gerufen, um seine neue Residenz auszumalen, einen Bau Balthasar Neumanns. Bis 1753 schuf Tiepolo dort die Fresken des Kaisersaals und das gewaltige Bild über dem Treppenhaus mit den vier Erdteilen, eines der größten Deckenfresken der Welt. Wer Würzburg kennt, sieht hier, wo es begann.
Jetzt geh ein paar Schritte zurück nach Westen, bis zur Mündung des Rio di San Trovaso, und bieg dort rechts ab, auf die Fondamenta Nani am Kanal. Nur ein paar Dutzend Schritte, dann siehst du schon die Rampe mit den schwarzen Booten. Am anderen Ufer stehen Holzhäuser, die aussehen, als hätte man sie aus den Bergen hierhergetragen.