Peggy Guggenheim Collection: Der unvollendete Palast
Why is it significant?
Tritt durch das Gartentor und bleib zwischen Skulpturen und Bäumen stehen. Der Palast vor dir ist seltsam niedrig, nur ein Erdgeschoss mit Dachterrasse, weiß und flach, zwischen den hohen Palästen am Canal Grande wie eine Lücke in einer Zahnreihe.
Key Facts
| Place | Peggy Guggenheim Collection: Der unvollendete Palast |
|---|---|
| Address | Palazzo Venier dei Leoni, Dorsoduro 701, 30123 Venezia VE, Italy |
| Geo Coordinates | 45.43080, 12.33150 |
| Part of Walk | Venedig, Dorsoduro: Kunst von Tizian bis Peggy Guggenheim, Tiepolo und die Zattere |
| Generated | Generated |
Tritt durch das Gartentor und bleib zwischen Skulpturen und Bäumen stehen. Der Palast vor dir ist seltsam niedrig, nur ein Erdgeschoss mit Dachterrasse, weiß und flach, zwischen den hohen Palästen am Canal Grande wie eine Lücke in einer Zahnreihe. Das ist der Palazzo Venier dei Leoni, und seine Unvollkommenheit ist sein Glück.
Die Familie Venier ließ ihn ab 1749 bauen, als gewaltigen Palast mit mehreren Stockwerken. Doch über das Erdgeschoss kam man nie hinaus. Warum, ist bis heute nicht ganz geklärt: Geldmangel, sagen die einen, Einspruch der mächtigen Nachbarn auf der anderen Seite des Kanals, sagen die anderen. Und der Name? Die Familie soll im Garten einst Löwen gehalten haben, so wird erzählt. Sicher ist nur: Steinerne Löwenköpfe schmücken die Front am Wasser.
1949 kaufte Peggy Guggenheim den Palast, eine amerikanische Erbin, Sammlerin und Abenteurerin. In Paris hatte sie kurz vor dem deutschen Einmarsch 1940 fast täglich ein Kunstwerk gekauft und die Avantgarde gefördert, als kaum jemand sie wollte: Pollock, Kandinsky, Magritte, Brâncuși. Hier lebte sie dreißig Jahre lang, mit ihren Bildern, ihren Hunden und offenen Türen für Künstler aus aller Welt. Und der deutsche Faden: Einer ihrer Ehemänner war der Maler Max Ernst aus Brühl bei Köln, dem sie 1941 half, aus Europa nach Amerika zu entkommen.
Jetzt schau zur Terrasse am Kanal. Dort sitzt ein Reiter aus Bronze auf einem Pferd, mit ausgebreiteten Armen und einem sehr eindeutigen Zeichen seiner Begeisterung. Das ist Marino Marinis Engel der Stadt. Die Geschichte geht so: Wenn Nonnen in einem Boot vorbeifuhren, ließ Peggy das abnehmbare Körperteil abschrauben. Peggy starb 1979. Ihre Asche ruht im Garten, gleich neben den Gräbern ihrer geliebten Hunde.
Von hier ist es nicht mehr weit. Geh weiter nach Osten durch die schmalen Gassen, über zwei kleine Brücken und über den Campo San Gregorio mit seiner gotischen Abteikirche, die längst keine Kirche mehr ist, bis sich vor dir eine gewaltige weiße Kuppel erhebt. Diese Kirche ist ein Dankgebet aus Stein, entstanden in einem der schrecklichsten Jahre der Stadt.