Campo Sant'Aponal – Cicchetti und ein Papst auf der Flucht
Why is it significant?
Ein kleiner, unregelmäßiger Platz, eine Kirche mit gotischer Backsteinfront, ein paar Bänke, Gassen in alle Richtungen: Campo Sant'Aponal wirkt wie ein Dorfplatz. Der Name ist Venezianisch für Sant'Apollinare. Die Venezianer schleifen jeden Heiligennamen ab, bis er bequem in den Mund passt.
Key Facts
| Place | Campo Sant'Aponal – Cicchetti und ein Papst auf der Flucht |
|---|---|
| Address | Campo Sant'Aponal, San Polo, 30125 Venezia VE, Italy |
| Geo Coordinates | 45.43790, 12.33230 |
| Part of Walk | Venedig für Genießer: Rialto-Märkte, Bacari und Cicchetti |
| Generated | Generated |
Ein kleiner, unregelmäßiger Platz, eine Kirche mit gotischer Backsteinfront, ein paar Bänke, Gassen in alle Richtungen: Campo Sant'Aponal wirkt wie ein Dorfplatz. Der Name ist Venezianisch für Sant'Apollinare. Die Venezianer schleifen jeden Heiligennamen ab, bis er bequem in den Mund passt. Und genau so gehen sie auch mit dem Essen um: klein, handlich, im Stehen.
Willkommen in der Welt der cicchetti. So heißen die kleinen Happen, die in den bacari, den venezianischen Weinbars, auf der Theke liegen: Brotscheiben mit Stockfischcreme, frittierte Fleischbällchen, die polpette, winzige gekochte Tintenfische, die folpetti, halbe Eier mit Sardellen. Man bestellt mit dem Finger, isst mit den Fingern und trinkt eine ombra dazu. Ein Abendessen entsteht hier nicht am Tisch, sondern auf dem Weg von Theke zu Theke.
Woher das Wort cicchetto kommt, weiß niemand genau. Manche leiten es vom lateinischen ciccus ab, etwas Winziges, andere von einem Wort für ein Schlückchen. Und bàcaro? Angeblich von Bacchus, vielleicht auch vom venezianischen Ausdruck far bàcara, feiern. Sicher ist nur: Die Venezianer haben eine eigene Grammatik dafür. Man geht nicht essen, man macht un giro de ombre, eine Runde.
Und jetzt, ganz unerwartet, ein deutscher Faden. Unter einem Durchgang gleich bei der Kirche erinnert eine alte Inschrift daran, dass Papst Alexander III. hier im Jahr 1177 eine Nacht verbracht haben soll, der Legende nach auf der Flucht vor Kaiser Friedrich Barbarossa. Im selben Jahr versöhnten sich Papst und Kaiser tatsächlich in Venedig, im Frieden von Venedig. Wer hier ein Vaterunser und ein Ave Maria betet, so verspricht die Tafel, erhält einen Ablass.
Halte die Augen offen: Rund um diesen Platz und in den Gassen Richtung Rialto reihen sich die bacari, und schon am späten Vormittag stehen dort die ersten Venezianer mit dem Glas in der Hand, Handwerker, Rentner, Studenten. Geh nun weiter nach Westen, durch die Calle de la Madoneta und über die kleine Brücke, bis sich die Gassen plötzlich zum riesigen Campo San Polo öffnen.